Inspiriert durch den letzten Kommentar, den wir mit unserem Blogbeitrag „Ungewollte Garfinkeliaden“ erhalten haben, möchten wir an dieser Stelle zwischenzeitig einen kleinen Beitrag einschieben, der sich mit dem Spannungsfeld von Wissenschaft und Popularisierung auseinandersetzt. In unserem Beitrag ging es darum, am Beispiel unseres Umzugs zu zeigen, dass vormalige Selbstverständlichkeiten mit einem solchen Ereignis brechen und im Zuge dessen für Irritationen sorgen. Der besagte Kommentar drehte sich für uns um die spannende Frage, was eigentlich das Feuilletonschreiben vom „Soziologisieren“ (Scheffer und Schmidt 2013, S. 256) unterscheidet. Für uns stellt sich damit die Frage, wie scharf die (SozBlog-)Grenzen für die Darstellung bestimmter Inhalte gezogen werden können. Hierfür unterscheiden wir soziologische Forschung, soziologisch informierte und soziologisch gehaltvolle Inhalte.
Soziologische Forschung meint, dass Beiträge innerhalb eines nicht per se öffentlichen Kontexts der Gesellschaft (Hitzler 2012, S. 393) produziert, aufgenommen und weiterentwickelt werden. Soziologisch informiert sind Beiträge, die in öffentlichen Kontexten produziert und aufgenommen werden und auf soziologische Forschung oder Konzepte zurückgreifen. Diese finden sich traditionell im (damit zunehmend ‚soziologisierten‘) Feuilleton oder populärwissenschaftlichen Magazinen wieder, gerade weil dort in zunehmendem Maße soziologische Konzepte und Begriffe aufgegriffen werden. Unter soziologisch gehaltvollen Texten bzw. anderem gehaltvollen Material verstehen wir, dass dieses wiederum die Chance besitzt, innerhalb der Sozialwissenschaften und damit auch für Soziologinnen anregend zu sein. Diese Materialien sind im öffentlichen Kontext produziert und werden innerhalb der scientific community als eben gehaltvoll oder anregend verstanden und im günstigsten Fall durch die Forschung eingeholt.
Beiträge, wie der unsere, sind entsprechend zunächst einmal dem soziologisch Informierten zuzuordnen. Im strengen Sinne handelt es sich bei diesen nicht um soziologische Forschung, welche konkreten methodologischen und methodischen Wege diese auch immer gehen mag. Wohl aber, so meinen wir, kann an der Schnittstelle zum Öffentlichen Produziertes auch soziologisch gehaltvoll sein.
Mit Blick auf die Herausforderungen, die über den gegenwärtigen Medienwandel für User heraufziehen, halten wir fest: Durch die Einführung des SozBlog kommt es zu einem „blurring of boundaries“ (Hjarvard 2014, S. 218) zwischen soziologischer Forschung, soziologisch Informiertem und soziologisch Gehaltvollem. Anders ausgedrückt besteht vor allem für Blogs die Schwierigkeit u.E. darin, dass nicht eindeutig bestimmt werden kann, über welche Inhalte, welche Autorinnen welches Publikum adressieren.
Vielleicht besteht die Stärke eines Blogs wie diesem genau darin, dass er offen für alle drei der von uns vorgeschlagenen Formen ist – mit allen Chancen und Risiken die damit für Autorinnen und Publikum verbunden sind.
In jedem Fall:
Hitzler, Ronald (2012): Wie viel Popularisierung verträgt die Soziologie? In: Soziologie 41 (4), S. 393-397.
Hjarvard, Stig (2014): Mediatization and cultural and social change: an institutional perspective. In: Lundby, Knut (Hrsg.): Mediatization of Communication. Berlin/Boston: de Gruyter, S. 199-226.
Scheffer, Thomas/Schmidt, Robert (2013): Public Sociology. Eine praxeologische Reformulierung. In: Soziologie 42 (3), S. 255-270.

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