Kategorie: Soziologie
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Rassismus kritisieren – aber wie?
Seit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist die Ablehnung von Rassismus auch Bestandteil der normativen Selbstbeschreibung moderner Gesellschaften. Für die Überzeugung, dass Rassismus eine unzeitgemäße, wissenschaftlich widerlegte, moralisch abzulehnende und politisch zu bekämpfende Ideologie ist, kann inzwischen mit breiter Zustimmung gerechnet werden. Gleichwohl wirft die Frage einige Schwierigkeiten auf, wie es gelingen kann, nicht rassistisch…
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Die Große Transformation reloaded? Polanyis Erbe und die Krisen des 21. Jahrhunderts
Warum das 21. Jahrhundert mehr als eine grüne Wende braucht Transformation ist zum Modewort geworden: grün, digital, gesellschaftlich, politisch. Es klingt nach Aufbruch, nach dem Schmetterling, der der Raupe entschlüpft. Doch Transformation bedeutet nicht zwangsläufig Fortschritt – sie kann auch Verlust, Machtverschiebung und Krisenerfahrung heißen. Schon der Wirtschaftshistoriker Karl Polanyi beschrieb Mitte des 20. Jahrhunderts…
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Über Staatsräson, Verfassungspatriotismus und die Menschenwürde
Dass die Sicherheit Israels zu unserer Staatsräson gehört, ist ein Satz, der sich seit dem Terroranschlag der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 durch die politischen und medialen Debatten in Deutschland zieht. Die im Begriff der Staatsräson zusammengezogene Interpretation der historischen Verantwortung Deutschlands zeichnet sich aktuell dadurch aus, dass sie eher an Sicherheitsfragen als…
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Kriege, Kriegsgesellschaft, Zeitenwende
Beitrag 13: Zivilgesellschaft im Krieg (III) – Zur Politik der BR Deutschland 2022-2025 von Volker Kruse 10.04./ 21.04.2025 Zeitenwende in einem gesellschaftstheoretischen, gesamtgesellschaftlich bezogenen Verständnis bedeutet hier den Übergang von einer reinen Zivilgesellschaft („von Freunden umzingelt“) zu einer Zivilgesellschaft im Krieg. Die Lage einer solchen ist gekennzeichnet durch äußere Bedrohung und durch Verwicklung in einen…
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Erinnerung an die Psychoanalyse
von Johann August Schünlein Die Überschrift ist doppeldeutig und das ist auch so gemeint. Da war mal was – eine relativ intensive Zusammenarbeit zwischen Soziologie und Psychoanalyse. Das ist nicht mehr so. In der Soziologie ist die Psychoanalyse inzwischen weitgehend unbekannt. Ich möchte hier daran erinnern, dass es mal anders war; dass psychoanalytische Konzepte in…
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Kriege, Kriegsgesellschaft, Zeitenwende
Kriege, Kriegsgesellschaft, Zeitenwende Beitrag 12: Zivilgesellschaft im Krieg (II) – Theoretische Überlegungen von Volker Kruse Theoretischer Ausgangspunkt unserer Überlegungen war Herbert Spencers Lehre vom „Industrial Type of Society“ und „Militant Type of Society“ aus dem späten 19. Jahrhundert. Spencer, der Sozialdarwinist, hatte die Frage aufgeworfen, wie sich eine (Staats-)Gesellschaft aufstellen müsse, um für den „Kampf…
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Netzwerktreffen Soziologische Waldforschung
Tagungsbericht zum zweiten Soziologischen Waldsymposium am 17.-18. Oktober 2024 an der FVA Freiburg von Charlotte Pfahler, Mareike Zobel, Sabeth Häublein, Philipp Mack, Stephanie Bethmann Wald ist in der Wahrnehmung der Menschen in Deutschland wie keine andere Landschaftsform ein Sehnsuchtsort, ein Inbegriff von Natur und Wildnis (Lehmann 1999, BfN 2014, Radkau 2011 und 2018, Knauf 2021)…
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Kriege, Kriegsgesellschaft, Zeitenwende
Beitrag 11: Zivilgesellschaft im Krieg (I) – Die USA 1940/41 von Volker Kruse „Zivilgesellschaft im Krieg“ beschreibt eine Konstellation, bei der eine (demokratische) Zivilgesellschaft eine (kämpfende) Kriegsgesellschaft unterstützt (in der Regel bei der Abwehr einer Aggression). Diesen Typus finden wir im 20. Jahrhundert in Europa kaum vor. Eine Ausnahme war Schwedens Unterstützung im russisch-finnischen Winterkrieg…
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Kriege, Kriegsgesellschaft, Zeitenwende
Beitrag 10: Der Erste Weltkrieg als paradigmatischer Fall kriegsgesellschaftlicher Transformation (IV) – Kriegsgesellschaftliches Dilemma von Volker Kruse Kriegsgesellschaftliches Dilemma, theoretisch betrachtet Die russische Februar-Revolution ist eine Manifestation des kriegsgesellschaftlichen Dilemmas Das Hindenburg-Programm stärkt das Deutsche Reich zeitweise militärisch, führt aber letztendlich zum Zusammenbruch der Heimatfront Am kriegsgesellschaftlichen Dilemma zerbricht auch das multiethnische Habsburgerreich Das kriegsgesellschaftliche…
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Kriege, Kriegsgesellschaft, Zeitenwende
Beitrag 9: Der Erste Weltkrieg als paradigmatischer Fall kriegsgesellschaftlicher Transformation (III) – Patriotische Vergemeinschaftung von Volker Kruse Mit diesem Beitrag wird der Blog „Kriege, Kriegsgesellschaft, Zeitenwende“ fortgesetzt, zu dem bisher acht Beiträge in der Zeit von März bis Juni erschienen sind. Allgemein geht es dabei um die strukturelle Dynamik, die Kriege in der modernen Gesellschaft…
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Ethnic Violence or Colonial Violence?
Dr. Eilat Maoz is an anthropologist working at the Hebrew University of Jerusalem. She is currently a member of the Martin Buber Society of Fellows (MBSF), a joint German-Israeli program for postdoctoral fellows, supported by the German Federal Ministry of Education and Research (BMBF). In her work, she studies the political economy of organized violence,…
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Symbolische Grenzkonfigurationen in jüdisch-muslimischer Beziehungsarbeit
von Arndt Emmerich Im Gegensatz zu seinem zweifelhaften Ruf wird das Frankfurter Bahnhofsviertel von Migrant*innen, Diasporagemeinden und ihre Kinder mit unterschiedlichen hybriden Sprachen, Kulturen, Religionen und geteilten Minderheitenidentitäten häufig als ein sicherer Rückzugsort angesehen. Der jüdische Geschäftsmann Steinberg (alle Namen geändert), dessen Großvater seine Karriere als Zigarettenverkäufer im Bahnhofsviertel der 1950ziger begann, sagte dazu: „Das…
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What does the Ethnic Framing of the Gaza War Serve?
Yagil Levy is a full professor of political sociology and public policy at the Department of Sociology, Political Science & Communication at the Open University of Israel in Ra’anana. He is also a specialist in the field of military sociology and among numerous other tasks was Vice President of the Israeli Sociological Society from 2018…
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In eigener Sache
Anlässlich des ersten Jahrestages des Überfalls der Hamas auf Israel veröffentlichen wir auf diesem Blog in den kommenden Wochen in loser Folge Texte, die sich aus soziologischen Perspektiven mit den Ereignissen des 7. Oktober sowie der folgenden Monate beschäftigen. Es handelt sich dabei zunächst um eine Serie kürzerer Beiträge, die im April 2024 im Rahmen…
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Autoritarismus durch die Hintertür. Wie die Antisemitismusforschung sich in ihr Gegenteil zu verkehren droht
von Christoph Gollasch Progressive Soziolog*innen haben längst „festgehalten, dass eine postkoloniale Rahmung der deutschsprachigen Soziologie […] zur (Selbst-)Reflexion über die materiell-strukturelle wie symbolisch-kulturelle und metaphorische Ver-Ortung der eigenen soziologischen Praxis zwingt.“[1] Für die Antisemitismusforschung lässt sich nur allzu oft das Gegenteil feststellen: An die Stelle einer eigenen Verortung tritt die Identifikation des Antisemitismus als Problem…