The Presentation of Self in Digital Life

von Michael Wetzels

Es scheint sich wieder einmal, wenn auf die Ereignisse diesen Jahres geblickt wird, die Aktualität von Erving Goffmans berühmter Frage „What is it that‘s going on here?“[i] zu bestätigen. Allerdings hätte auch er nicht die beinahe schwindelerregende Dynamik vorausgesehen, welche eine ‚Gesellschaft unter Spannung‘ auszeichnet. Denn nicht nur die „Weltgesellschaft“[ii], sondern auch die DGS steht auf diesem digitalen Kongress unter ‚Spannung‘. Die Corona-Pandemie deckt wie keine andere „Singularität“[iii] der letzten Jahre die Brüchigkeit und Routinen auf, welche sich in das universitäre Leben eingebrannt haben. Ein digitaler Kongress mag zunächst wie ein Segen klingen. Statt Kaffee vom Buffet nun Genuss aus der hauseigenen Kanne, kein frühes Aufstehen und Rennen zum nächsten Seminarraum, alles digital, alles entspannt. Wirklich? Weit gefehlt. Denn in Routinen sind auch die Formen eingelassen, welche wir als Soziolog*innen nur zu gut kennen, nämlich wissenschaftliche Inszenierungen des Selbst. War vorher noch der Auftritt vor und in einem lokalen Livepublikum Teil solcher Inszenierungsstrategien, wechselt diese Form nun auch vom Analogen ins Digitale.

Für mich als Ethnographen ist dieser Umstand höchstinteressant. Denn was macht nun solch eine räumliche „Not-Ordnung“[iv] mit der Inszenierung von Sozialwissenschaftler*innen? Interessant war dabei ein Satz der DGS-Vorsitzenden, Birgit Blättel-Mink, den Vortragenden Toleranz und Aufmerksamkeit in den Videoformaten zu schenken. Ein Satz, der so auf analogen Verfahren nicht in dieser Direktheit fallen würde und die Brüchigkeit von Inszenierungsstrategien hervorhebt. Wie wurde „live“[v] nun aber aufgetreten? Und wie wird dieses „presenting“[vi] auf dem Kongress organisiert? Um diesen Fragen nachzugehen, bin ich in dieser Woche auf Basis einer „virtual ethnography“[vii] in die digitalen Leben auf dem Kongress eingetaucht. Mein Bericht basiert dabei auf Kurznotizen[viii], Bildern und Beiträgen einiger sozialwissenschaftlicher Kolleg*innen, welche unter dem Hashtag (#) #DGSoz2020 auf der Social-Media-Plattform Twitter zu finden waren.

(1) Welcher Hintergrund darf’s heute sein? –  Räumliches „Presenting“ als refiguratives Spannungsfeld

Ob von zu Hause, aus dem Büro oder dem Café – die Digitalisierung des Kongresses durch Videokonferenzprogramme (hier das Programm Zoom) schuf neue Möglichkeitsräume der Inszenierung für die Teilnehmenden (Organisierende, Vortragende und Zuhörende), wobei dies einerseits Flexibilität wie auch Spannung bedeuten konnte. Flexibilität war dabei vor allem auf Seiten der Zuhörenden festzustellen. Die Möglichkeit zu entscheiden, ob mit oder ohne Livevideo teilgenommen werden kann, erleichterte die Inszenierungsqualität im digitalen Raum enorm, da neben einem Livevideobild entweder ein schwarzes Bild mit selbst gewähltem Namen oder ein Selbstportrait gezeigt werden konnte (Abb. 1).

Abb. 1: Bewegte Kacheln, schwarze Bildschirme und Selbstportraits

Dem Vortrag konnte so gelauscht werden, während der Kaffee in der Küche getrunken wurde, die Wohnung geputzt oder nach der Wäsche auf dem Balkon geschaut werden konnte, und das alles ohne die Vortragenden in ihrer Konzentration zu stören. Perfekte Situation also? Nicht ganz. Denn strukturelle Gepflogenheiten wissenschaftlicher Inszenierungen verschwinden nicht einfach mit der Flexibilisierung des Ortes und dies stellte gerade bei laufenden Kameras die Teilnehmenden vor neue Aufgaben. So war auffällig, dass die (privaten) Räume stets ausgeschmückt waren mit einem Hintergrund, welcher ein akademisches Umfeld suggerieren sollte (Abb. 2).

Abb. 2: Von Büchern, (weißen) Wänden und Kunst

Oft saßen Vortragende, Organisierende und auch Zuhörende entweder (1) vor mit Büchern gefüllten Regalen, (2) in Räumen, die eher schlicht, heißt mit einer (weißen) Wand und Kunstobjekten (Bilder, Statuetten etc.), ausgestattet waren oder es wurde (3) ein Bildhintergrund genutzt. Ein Theater, ein Vorlesungssaal oder auch eine virtuelle Bücherwand dienten als Verschleierung des lokalen Ortes der eigenen Inszenierung. Je nachdem, was für strukturelle Ressourcen zur Verfügung stehen (Arbeitszimmer, Büroraum etc.), kann eine Präsentation also von unterschiedlichen Spannungen begleitet sein, vor allem bei den Vortragenden und Organisierenden. Zu sehen war dies vor allem an der gewählten Kleidung. Diese war mehr konventionell (Hemd, Bluse, Anzug mit roter Krawatte) denn leger und sollte den Eindruck von Wissenschaftlichkeit und einem möglichst hohen „Prestige“[ix] vermitteln. Der Inszenierungsraum befand sich somit in einem Spannungsfeld von Refiguration[x] und erzeugte den Effekt eines verstärkten Achtens auf die eigene Inszenierung:

Bin ich zu sehen und wenn ja, was oder wer noch? Wirke ich seriös oder nicht seriös genug in diesen digitalen, wissenschaftlichen Begegnungen?[xi]

(2) Die Verstummung des Applauses: Veränderte Interaktionen in digitalen Kontrollräumen

Das Setting der räumlichen Inszenierung ist aber nur eine Facette. Es muss auch über die veränderte Konstellation (körperlicher) Kopräsenz gesprochen werden, welche einen massiven Effekt auf die Inszenierung hatte. Die Situation sollte sich noch einmal verdeutlicht werden: Das Livepublikum wurde von einer physischen Kopräsenz auf die digitale Ebene übertragen. Dies erhöhte zwar die Anzahl an Partizipierenden in den jeweiligen Sessions massiv (mittlere, dreistellige Zahlen wurden zum Teil  gemessen), veränderte aber auch die Machtkonstellation zwischen den Vortragenden, den Zuhörenden und den Veranstaltenden.

Die Videoprogramme waren dabei zugleich Mittler und Kontrollinstanz. Zunächst kam es darauf an, welches Videoprogrammformat vorlag: Ein Webinar oder ein Meetingraum.[xii] Der Unterschied ist: Während in einem Meetingraum verschiedene Partizipationsmöglichkeiten gegeben waren (Chataustausch, Einsehen der Teilnehmenden, Reaktionen per Emoticons wie Klatschen oder Daumen hoch), fehlten diese Möglichkeiten in einem Webinar. Die Mikrophone waren automatisch ausgeschaltet, die Chatfunktion deaktiviert und nur ein von den Veranstaltenden kontrolliertes F&A konnte genutzt werden, was aber an der Konstruktion dieses bestimmten Formates lag.[xiii] Die fehlende Interaktion war aber ein Punkt, der immer wieder von Teilnehmenden kritisiert wurde, sodass der Austausch auch auf andere Kommunikationskanäle wie Twitter stattfand.[xiv]

Aber auch in offeneren Meetingräumen war eine Machtasymmetrie zu bemerken, und besonders machtvoll dabei: die Veranstaltenden der Sessions.[xv] So wurde am Anfang der Sessions immer wieder auf die gängigen Regeln (z.B. die Mikros und eventuell auch Videobildschirme auszuschalten) hingewiesen. Dies förderte bei den Zuhörenden die beschriebene Flexibilität, erzeugte aber auch eine höhere Professionalität auf Seiten der Vortragenden. Die Zeitlimits wurden nicht nur penibel eingehalten, sondern auch die Stringenz der Vorträge war deutlich besser als in manch einer Präsenzveranstaltung. Dies hatte allerdings den Preis, dass untereinander (außer über Chat) keine wirkliche Interaktion stattfand, was beispielhaft am ‚stummen Applaus‘ gezeigt werden kann (Abb. 3).

Abb. 3: Applaus, Applaus, Applaus!

Das Dekret das eigene Audiosignal ausgeschaltet zu lassen, hatte die Konsequenz, dass deer Applaus, sonst ein Zeichen der positiven Zuwendung zu den Vortragenden, zu einer visuellen, ‚stummen‘ Geste transformiert wurde. Entweder war dieser sichtbar als Klatschen im Videofenster, was allerdings nicht gehört wird (rotes Symbol links unten mit durchgestrichenem Mikro) oder per anwählbaren Emoticon über die Funktion „Reaktionen“ (zwei klatschende Hände im linken Bildschirmrand). Dies ersetzte jedoch nicht, dass schlicht und ergreifend der einsetzende Ton des Applauses nach einem Vortrag fehlte. Und da dies auch als Zeichen der Missbilligung hätte verstanden werden können, versuchten die Veranstaltenden dies zu reparieren, indem sie den Applaus sprachlich vermittelten. „Ich sehe lauten oder leises Klatschen“ oder „Ich sehe viel Applaus auf den Bildschirmen“ waren solche Übersetzungsversuche, die allerdings die Sterilität des Ganzen nicht verschleiern konnten. Es blieb immer wieder das Gefühl eines ‚leeren‘ Raumes zurück, obwohl die ‚Anderen‘ anwesend waren. Dies merkte auch Birgit Blättel-Mink nach ihrem Applaus zum Abschluss der Eröffnungsveranstaltung des DGS-Kongresses an mit den Worten: „Schon gespenstisch, ne?“

(3) „Right now baby I’m torn“ – Zwischen digitaler Professionalisierung und Verlusterfahrung

Was folgt nun aus diesen Eindrücken? Zunächst einmal Lob. Sowohl an das Organisationsteam, die DGS und auch die Teilnehmenden ist nicht oft genug Dank auszusprechen. Sich der Herausforderung eines digitalen Kongresses zu stellen ist keine Selbstverständlichkeit und es bedarf einer gehörigen Portion Selbstdisziplinierung und Mut sich diesen neuen Formaten zu widmen. Es verbleibt mir in der Rolle einer soziologischen Grumpy Cat grummelig-maunzend somit zunächst zuzugeben, dass Inhalte und wissenschaftliche Diskussionen gerettet und durch die Eliminierung von Störgeräuschen sogar effizienter und zielführender gestaltet werden konnten.[xvi] Aber die „Geselligkeit“[xvii], welche zu wissenschaftlichen Inszenierungen dazu gehört, ist ein stückweit verloren gegangen. So professionell die Sessions auch gestaltet waren, am Ende befand man sich schlussendlich doch alleine vor dem Bildschirm, Diskussionen wurden abgebrochen und ein schales Gefühl des Unbehagens blieb zurück, dass hier etwas nicht stimmte.[xviii] Dieser digitale Kongress ist leider doch nur ein ‚halber‘ und kann nicht verschleiern, dass sich Gewohnheiten der Geselligkeit etabliert haben, die nun doch irgendwie fehlen. Die Umstellung von Präsenz- auf Digital’presenting‘ war und ist weiterhin eine Herausforderung, was auf dem Kongress gut beobachtet werden konnte. Die Corona-Pandemie wird somit weiter für Diskussionsstoff sorgen. Nicht nur in den Gesellschaften der Welt, sondern auch in der DGS. Über die Spannung und die Zerrissenheit zwischen erwünschter, digitaler Professionalisierung und den gegenwärtigen Verlusterfahrungen, welche auch in den zeitdiagnostischen Diskussionen zwischen Martina Löw, Hartmut Rosa und Andreas Reckwitz in der einzigen Präsenzveranstaltung des DGS-Kongresses eine zentrale Rolle spielten.[xix] Aber gerade deshalb sollten wir vielleicht alle ein bisschen mehr denken wie Silke Steets.

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[i] Goffman, Erving (1986): Frame Analysis. An Essay on the Organization of Experience. Northeastern University Press: Boston, S. 8.

[ii] Luhmann, Niklas (2005): Die Weltgesellschaft. In: Luhmann, Niklas (Hrsg.) Soziologische Aufklärung 2. Aufsätze zur Theorie der Gesellschaft. Springer VS: Wiesbaden, S. 63-88.

[iii] Reckwitz, Andreas (2017): Die Gesellschaft der Singularitäten. Zum Strukturwandel der Moderne. Suhrkamp: Frankfurt am Main.

[iv] Knoblauch, Hubert/Löw, Martina (2020): Dichotopie. Die Refiguration von Räumen in Zeiten der Pandemie. In: Volkmer, Michael/Werner, Karin (Hrsg.): Die Corona-Gesellschaft. Analysen zur Lage und Perspektiven für die Zukunft. transcript: Bielefeld, S. 89.

[v] Kirschner, Heiko (2012): Go Live! Der User-Livestream als Präsentationsbühne. In: Lucht, Petra/Schmidt, Lisa-Marian/Tuma, René (Hrsg.): Visuelles Wissen und Bilder des Sozialen. Aktuelle Entwicklungen in der Soziologie des Visuellen. Springer VS: Wiesbaden, S. 157-171.

[vi] Goffman, Erving (1956): The Presentation of Self in Everyday Life. University of Edinburgh: Edinburgh, S. 18.

[vii] Hine, Christine (2000): Virtual Ethnography. SAGE: London/Thousand Oaks/New Delhi.

[viii] Die beschriebenen Beobachtungen sind freilich an meine eigene Perspektive gebunden und können von anderen abweichen. Zudem möchte ich insbesondere Martina Löw, Nina Elsemann und den Teilnehmenden der Session „SFB1265 goes DGS“ danken, dass ich Live-Screenshots während ihrer Veranstaltung machen durfte.

[ix] Goffman, Erving (1951): Symbols of Class Status. In: The British Journal of Sociology, 2 (4), S. 294.

[x] https://sfb1265.de

[xi] Goffman, Erving (1972): Fun in Games. In: Goffman, Erving (Hrsg.): Encounters. Two Studies in the Sociology of Interaction. Penguin University Books: Harmondsworth/Ringwood, S. 63.

[xii] Unter das Format Webinar fielen u. a. die Eröffnungsveranstaltung und die Keynotes, während die Meetings Sektionsveranstaltungen (Sessions, Mitglieder*innenversammlungen), Plenen oder AdHoc-Gruppen umfasste.

[xiii] https://twitter.com/dgskongress/status/1305549496286412802?s=20

[xiv] https://twitter.com/dawwidd/status/1305524230310834177?s=20

[xv] Betont sei, dass diese machtvolle Position nicht von Böswilligkeit begleitet war. Es stand vor allem die Funktionalität der Videosession im Vordergrund und die Organisierenden und Veranstaltenden mussten neben der Einhaltung der Regeln auch die gesamte digitale Kommunikation managen. Die Direktive zur korrekten Umsetzung der Veranstaltungsformate ging dabei von den Kongressorganisator*innen aus, s. https://kongress2020.soziologie.de/infos-fuer-organisator/innen

[xvi] https://twitter.com/ToBeAsBold/status/1306999196508192770?s=20

[xvii] Simmel, Georg (1911): Soziologie der Geselligkeit. In: DGS (Hrsg.): Verhandlungen des Ersten Deutschen Soziologentages vom 19.–22. Oktober 1910 in Frankfurt am Main. Mohr: Tübingen, S. 1–16.

[xviii] https://twitter.com/grautoene/status/1306189945489559553?s=20

[xix] https://www.youtube.com/watch?v=Na9LIrXeSIU&t=8s

„Zeitdiagnose ist die Benutzeroberfläche der Gesellschaftstheorie“

Von René Tuma und Ajit Singh

Je nach Perspektive darf es entweder als ‚wohltuende Abwechslung‘ oder als ‚ungewohnte Neuheit‘ in einer sich neuordnenden Gesellschaft angesehen werden, an einer Liveveranstaltung teilzunehmen. Die von Hubert Knoblauch organisierte Veranstaltung „Gesellschaft unter Spannung – Sonderveranstaltung zu soziologischen Diagnosen der gegenwärtigen Um_Ordnungen mit oder nach Corona“ auf dem diesjährigen DGS-Kongress holte dafür den Raum des soziologischen Diskurses zurück in den Ort der Wissensvermittlung, genauer gesagt in den zweitgrößten Hörsaal H104 des Hauptgebäudes der Technischen Universität Berlin. Derlei Ortsbezeichnungen erscheinen gegenwärtig nahezu überflüssig, weil der „Weg“ zu einer Session vornehmlich über Links und Passwörter beschritten wird. Die Sonderveranstaltung fuhr hier jedoch zweigleisig. Während sich der Großteil des Publikums mit etwa 300 Zuschauenden via Youtube-Livestream zuschalten konnte, durfte eine kleine Gruppe von etwa 25 Teilnehmenden der Sitzung im Hörsaal beiwohnen und verlieh dem Anlass auch unter diesen Bedingungen einen angemessenen Rahmen. Auch die Autoren dieses Beitrags erlebten die Diagnoseveranstaltung aus unterschiedlichen räumlichen und medial-vermittelten Perspektiven (digital und vor Ort) und möchten nun im Folgenden die Erträge zusammenfassen.  

Blickt man zurück, so kann die Veranstaltung schon in ihrer Form als Ausdruck der Themen und der Spannungen gelesen werden, die an dem Abend diskutiert wurden. Die ‘Übung’ bestand darin, vor dem Hintergrund der Pandemievermeidungsstrategie das Digitale als wesentliches Kommunikationsmedium einzusetzen und dabei gleichzeitig den Verlust der körperliche Kopräsenz zu verhindern. Das führte dazu, dass die meisten Zuhörer*innen vor ihren Geräten still, oder sollte man sagen entschleunigt da saßen und die Diskussion vor sich an den Bildschirm vorbeirauschen lassen konnten. 

Von der Gesellschaftsanalyse zur “Soziologie der soziologischen Zeitdiagnose“

Der Nachfrage nach soziologischer Expertise hat sich in den vergangenen Monaten deutlich gesteigert. Durch die Corona Krise wurde klar, dass soziale Erklärungsmuster nicht alleine aus epidemiologischen und virologischen Befunden abgeleitet werden konnten. Die sich verändernden Bedingungen des gesellschaftlichen Lebens im privaten wie im öffentlichen Raum, die Neuordnung beruflicher Arbeitsweisen im „Home Office“, die soziale Dauerformierung mit der Hervorbringung neuer sozialer Formen in Videokonferenzen sind Folgeerscheinungen der Pandemie, die ein Kerngebiet soziologischer Forschung berühren: die Beschreibung gesellschaftlichen Wandels.

Mit Recht ließ sich in den vergangenen Monaten mancher soziologische Schnellschuss kritisieren, der über Ad-hoc-Analysen erste Versuche einer Zustandsdiagnose der Corona-infizierten Gesellschaft anstellte. Gleichzeitig zeigte sich in diesen Momentaufnahmen auch die Möglichkeit erster Deutungs- und Orientierungsangebote für die vorläufige Einordnung der Krise. Die Corona-Pandemie ist zweifelsohne ein globales und ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, an der allgemeinere Zustände und Entwicklungen deutlich werden. Die Gesellschaft als Ganzes bildet daher auch den Gegenstand der Diagnose-Veranstaltung, wie Silke Steets in ihrer einführenden Moderation deutlich machte. Mit der Gegenüberstellung unterschiedlicher gesellschaftstheoretischer Ansätze geht es aber nicht nur um die Analyse der Gegenwartsgesellschaft, sondern auch um eine „Soziologie einer soziologischen Zeitdiagnose“.

Mit Hartmut Rosa, Andreas Reckwitz und Martina Löw wurde ein spannendes Podium zusammengestellt, die nach jeweils einem eigenem Input miteinander ins Gespräch gebracht wurden.

Hartmut Rosa und die still vor seinen Worten im Livestream sitzenden Zuschauer

Die Welt schien uns dank Corona für eine Weile stillzustehen, wie reagiert Hartmut Rosa darauf?  In seinem engagierten und mit Verve (und Geschwindigkeit) vorgetragenen Statement greift Rosa das diagnostizierte Entschleunigungsgeschehen auf, und macht dies am weltweiten Rückgang der Zirkulation von Gütern und Menschen fest: Transport, Verkehr und Logistik kamen nahezu komplett zum Erliegen, vom sozialen Leben im öffentlichen Raum ganz zu schweigen. Wenngleich dieser Stillstand ökologisch betrachtet (zumindest temporär) positive Auswirkungen zeitigte, machte die Krise bereits bestehende Ungleichheiten und Probleme umso sichtbarer – so kann das unfreiwillige Stillgestelltsein Entbehrungen und Verluste nach sich ziehen (dazu später mehr), gleichzeitig verlagert sich die Bewegung ins Digitale, so sitzen wir unbewegt vor unseren Endgeräten und verfolgen im „rasenden Stillstand“ das Vorbeirauschen zunehmender Datenströme. Hat sich also nun durch Corona Paul Virilios Diagnose realisiert? Was bedeutet Corona nun für die Soziologie? Rosa tritt für eine Soziologie ein, die zwar kein sicheres Wissen über die Entwicklungen nach der Corona Krise haben könne, aber ihr ganzes Instrumentarium an Deutungsangeboten liefern müsse, von Daten, Statistiken und Fakten bis hin zu Meinungen und Positionen. Die Aufgabe sei es an diesem “Bifurkationspunkt” eine Wertediskussion zu ermöglichen, da es sich hier entscheide, ob die Entwicklung zurückfällt in den “Aggressionsmodus zur Welt”, oder ob eine neue (bessere) Zukunft im Handeln gestaltet werden kann. 

Andreas Reckwitz und seine Theorie des Verlustes

Reckwitz setzt ähnlich wie Rosa bei der Krisenerfahrung an und nimmt dabei ebenfalls auch eine zeitliche Perspektive ein. Dabei diskutiert er Spannungen zwischen Fortschritt und Verlust. Nachdem er das Neue ja bereits ausführlich behandelt hat, zeigt er die Probleme auf, die Unfähigkeit der Moderne produziert, die keine Antwort auf die immanent produzierten Verlusterfahrungen liefert. Vor dem Hintergrund der dominanten Fortschrittsvorstellungen, die sich in der Spätmoderne als Optimierung bis hinein in die privatesten und intimsten Lebensformen und Praxen breitgemacht hat, wird jede Form des Verlusts dem Subjekt zugeschrieben. Mit dem Verlust bricht schließlich die Negativität in die Sozialwelt ein. Diese Verlusterfahrungen werden nicht produktiv umgewandelt. Dies gilt auch für die globale Gesellschaft, die Verlust zunächst nur unzureichend, in Form aggressiver Verlusterfahrung transformiert. Reckwitz systematisiert in seinem Beitrag diese Verluste und zeigt verschiedene Spielarten auf. Sie können ganz konkret als „Realverluste“ von Status, Macht und Kontrolle auftreten. Der Verlust der Biodiversität zeitigt so Corona als Menetekel. Daneben skizziert er „Zukunftsverluste“ als einen Verlust von Utopien, wohin sich das eigene oder das gesellschaftliche Leben hin entwickelt. Was hieraus erwachsen kann, ist Agonie oder der Verlust von Handlungs- und Steuerungsfähigkeit bis hin zu Angst und Wut. „Verlustängste“ wiederum verweisen auf die Angst, den gegenwärtigen Zustand (status quo) nicht erhalten zu können. Dennoch verweist Reckwitz auch auf Umkehrstrategien, in denen die Verlusterfahrung wie am Fall des Klimawandels spürbar wird, auch die Chance auf die Herstellung einer neuen Balance besteht.  

Martina Löw und der Übergang zu Spannungen der Raumformen

Vor dem Hintergrund der Diagnosen zu Zeit und Fortschritt, die von Rosa und Reckwitz dargelegt wurden, denkt Löw Spannungen nicht zeitlich, sondern räumlich. Sie argumentiert auf Basis der Forschungen des SFB 1265, der mit dem Begriff der “Refigurationen” die Spannungen und gesellschaftlichen ‚Umbauten‘ in räumlicher Hinsicht untersucht. Verschiedene Raumformen (Territorien, Netzwerke, Orte und Bahnen) stehen nicht alleine oder einheitlich, sondern verschachteln sich und stehen in Spannung zueinander. Dieses Spannungsverhältnis konstituiert sich durch sich kontrastierende Logiken: Öffnungen und Schließungen, Homogenisierungen und Heterogenisierung räumlicher Wirklichkeitskonstruktion. Deutlich wird das daran, dass weltweit gleichzeitig immer mehr Grenzen und Mauern hochgezogen und Territorien damit eingehegt werden, aber gleichzeitig der globale Flugverkehr immer neue Verbindungsbahnen zwischen den Flughäfen der Welt erschließt. Angesichts einer globalen Epidemie wie dem Corona Virus zeigte sich ebenso anschaulich, dass trotz der voranschreitenden Reterritorialisierung von Nationalstaaten das Virus mühelos Grenzen überschreiten konnte und bis ins Lokale hinein städtische und nachbarschaftliche Räume grundlegend veränderte. Damit öffnet Löw die Debatte für eine räumliche und damit auch für eine globale Perspektive, die den methodischen Nationalismus, den Beck einst kritisiert hatte, systematisch überwindet. Sie betont, dass Diagnosen eine größere Reichweite aufweisen müssen, die über eine westliche-zentrierte Position hinausgehen. 

„Zeitdiagnose ist die Benutzeroberfläche der Gesellschaftstheorie“

Die Sonderveranstaltung lieferte der Soziologie, die sich ja nicht nur nach innen, in ihren kleinteiligen disziplinären Diskussionen erschöpfen, sondern auch die großen Fragen angehen will, ein geeignetes Forum. Durch das hybride Format war es zudem möglich, auch Fragen des Onlinepublikums mit in die Diskussion aufzunehmen. 

Die drei Vortragenden präsentierten unterschiedliche Perspektiven auf die Krise mit je eigenem theoretischen Zuschnitt. Zweimal basierte dieser auf einer zeitlichen, und einmal auf einer räumlichen Grundlage. Der Anspruch ist dabei jedoch bei allen Teilnehmenden klar über eine reine pointierte Ad-Hoc Diagnose hinauszugehen. Das Unbehagen mit dem Begriff der Zeit- oder Gegenwartsdiagnose wurde geäußert, denn hierauf hat die Soziologie ja kein Monopol oder Markenrecht. Die ihr eigene Leistung besteht darin, die Diagnosen an Theorie zu koppeln, so seien diese, wie Reckwitz pointiert feststellte, quasi “die Benutzeroberfläche der Gesellschaftstheorie”. Welches Potential sich hierin verbirgt, zeigte einst Ulrich Beck, der nicht nur zeitgeistig von der Risikogesellschaft zu berichten wusste, sondern ihr ein theoretisches Fundament gab, das bis heute (auch in vielen Ideen der Vorträge) nachhallt. Alle drei Vorträge, so unterschiedlich sie waren, eint jedoch, dass sie sich wechselseitig ergänzen und in der Zusammenschau doch ein vielfältiges, spannungsgeladenes aber dadurch auch kontrastreiches Bild ergeben. 

Link zur Aufzeichnung auf Youtube

SFB1265 goes DGS

von Nina Meier

Die um sich greifende Verbreitung digitaler Technologien, sowie weltweite Prozesse der Entgrenzung, die gemeinhin mit dem Begriff der Globalisierung bezeichnet werden, aber auch Praktiken der Begrenzung – von Fabian Gülzau in seinem Vortrag einprägsam als „Mauerbaufieber“ betitelt – verändern die Art und Weise, wie Menschen Räume erfahren, aber auch die Art und Weise, wie sie diese erschaffen. Auf diesen Wandel wirft der Sonderforschungsbereich (SFB) 1265 „Re-Figuration von Räumen“ seit Januar 2018 einen forschenden Blick. In der Sonderveranstaltung am 16.09.2020 gewährten Johanna Hoerning, Fabian Gülzau und Anna Steigemann Einblicke in einzelne Forschungsprojekte des SFBs, die sich mit unterschiedlichen Raumpolitiken befassen. Ergänzt wurden ihre Beiträge um eine Reflexion der wissenschaftlichen Arbeit an und im Sonderforschungsbereich selbst durch Séverine Marguin. Zunächst jedoch stellte Martina Löw (Sprecherin des SFBs 1265) den Sonderforschungsbereich in Kürze vor und verwies dabei auf eine Besonderheit der Öffentlichkeitsarbeit des SFBs, die unter anderem einen konkreten Zusammenhang zum DGS-Kongress aufweist: So legt der SFB in der Reflexion seiner Arbeit auch Wert auf die Verwendung künstlerischer Methoden. Ein Ergebnis dieser Überlegungen stellt die temporäre Kunstinstallation an der bauhaus reuse durch die Künstlerin Stefanie Bürkle dar. Anlässlich der Berlin Art Week 2020 sowie des 40.ten DGS-Kongresses ermöglichen es zwei Bildserien, An- und Einsichten des Kunst- und Forschungsprojektes MIGRATOURISPACE, Raummigration und Tourismus mit eigenen Augen zu betrachten. So soll der ins digitale Format übertragene DGS-Kongress einen physischen Anhaltspunkt am Berliner Ernst-Reuter Platz erhalten. Wie die Vorträge der Wissenschaftler*innen des SFBs, so behandelt auch diese Bilderinstallation die Frage, wie verschiedene Räume mit einander in Bezug gesetzt werden. Martina Löw und Nina Elsemann übernahmen zudem die Moderation der Sitzung.

Die Reihe der Präsentationen eröffnete Johanna Hoerning (TU Berlin), die den Teilnehmern unter dem Titel „Interessenspolitik zwischen Skalen, Territorien und Orten“ eine Vorstellung ihrer Forschungsarbeit vermittelte. Im Hintergrund ihres Vortrages stand die Frage nach sich wandelnden Verhältnissen zwischen lokalen, regionalen, nationalen und globalen Kontexten, welche die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in den Feldern der Wohn- und Asylpolitik beeinflussen, durch diese Akteure aber auch neu verhandelt werden.  Zunächst stellte Hoerning die beiden Politikfelder und die sie kennzeichnenden Strukturierungsprozesse vor. Für die Asylpolitik beschrieb sie drei, grundsätzlich relevante Entwicklungstendenzen: 1. Globale und regionale Fragmentierung / Renationalisierung, 2. Externalisierung und 3. Lokalisierung. Ersteres bezieht sich auf die schwindende Bindungswirkung der Genfer Flüchtlingskonventionen, während Politiken der Externalisierung den Ausbau und die räumliche Verlagerung von Migrationskontrollen bezeichnen. Lokalisierungstendenzen umfassen sowohl translokale Städte-Netzwerke und Allianzen, die Fragen der Migration als lokale Fragen thematisieren, als auch die entwicklungspolitischen Maßnahmen des humanitären Sektors, welche nicht nur Städte, sondern auch regionale Kontexte miteinbeziehen. Für die Wohnungspolitik identifizierte Hoerning zwei dominante Restrukturierungen: 1. Translokalisierung und 2. Regionalisieurng. Während Wohnen als Praxis zunächst lokal verortet ist, sind Wohnungspolitiken durch die Restrukturierung von Wohnungsmärkten und ihre Einbindung in globale Finanzkreisläufe zunehmend durch Prozesse und Strategien der Translokalisierung gekennzeichnet. Den Prozess der Regionalisierung bezog Hoerning vor allem auf Maßnahmen der Europäischen Union, die zwar rein formal kein wohnungspolitisches Mandat besitzt, jedoch durch Programme der Wohnungsbauförderung oder via Richtlinien zur Energieeffizienz de facto wohnungspolitische Wirksamkeit entfaltet. Im Anschluss an diese Skizzen der Politikfelder führte Hoerning Praktiken der Reskalierung sowie Praktiken der Verortung an, mit denen die beforschten Akteure auf die jeweiligen politischen wie ökonomischen Entwicklungstendenzen in ihrem Metier reagieren. Eine Form der Reskalierung etwa stellt das „downscaling“ in der strategischen Wahl der Ansprechpartner dar. Hoerning veranschaulichte dies anhand einer NGO aus den USA, die sich nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten Allianzen auf anderen politischen Ebenen suchen musste. Im Feld der Wohnungspolitik hingegen, welches zunehmend durch überregionale und sogar global agierende Investoren geprägt wird, lässt sich ein entsprechendes „upscaling“ der gebildeten Kooperationen beobachten, welche die vormals lokal-begrenzten Partnerschaften durch weitreichendere Vernetzungen ergänzen. Neben diesen Prozessen der Reskalierung identifiziert Hoerning in ihrer Forschung unterschiedliche Logiken der Verortung. Verortung wird dabei jeweils „als Kontingenz, als neuralgischer Punkt oder als institutionelle Verdichtung“ hervorgehoben. Zur Differenzierung dieser Logiken dient die Wahl derjenigen Orte, welche die NGOs als Niederlassungen ihrer Organisation wählen. Mal erscheint die Wahl als wenig relevant und eher zufällig, mal ist der Sitz der Organisation von symbolischer Bedeutung und mal ist die physische Nähe zu politischen Institutionen entscheidend. Skalierungen, Verortungen und Territorialisierungen sind, dies betonte Hoerning in ihrem Fazit, zwar abgrenzbare Setzungen, sie sind jedoch zugleich durch überschreitende Vernetzungen geprägt. Obwohl Skalen als solche Setzungen Eindeutigkeit suggerieren, seien sie daher nur relational zu verstehen. Auf die Nachfrage hin, welchen Beitrag die Soziologie zur Skalenforschung leisten könne, verweist Hoerning auf die Differenzierung verschiedener Akteure, die an der Produktion von Skalen beteiligt sind, sowie auf ein tiefergehendes Verständnis derjenigen Prozesse, die dazu führen, dass bestimmte Maßstabsebenen in bestimmten Kontexten relevant werden. Für beides sensibilisiere eine explizit soziologische Betrachtungsweise.

Im Anschluss an Hoernings Vortrag thematisierte Fabian Gülzau (HU Berlin) in seiner Präsentation “(Im)mobilisierung. Die Re-Figuration von Grenzen in globaler Perspektive“ die Veränderungen und Umformungen, welche die räumliche Artikulation der Grenze erfahren hat und gegenwärtig erfährt. In Rückbezug auf Habermas definierte Gülzau Grenzen als Schleusen, mit denen auf Strömungen reagiert wird. Dabei identifizierte er verschiedene Entwicklungen in der Art und Weise wie Staaten Grenzen errichten. Zum einen lässt sich beobachten, dass diese versuchen Grenzen zu implementieren, die nicht mehr entweder offen oder geschlossen sind, sondern die sich als semi-permeable Filter bezeichnen lassen. Für manche, die gedenken, sie zu überschreiten und zu durchqueren, stellen sie sich als harte, kaum zu überwindende Abgrenzungen dar. Für andere jedoch, sind sie als Begrenzungen kaum spürbar und ihrer Mobilität gegenüber wenig hinderlich. Zum anderen verzeichnet Gülzau in Anlehnung an Shachar eine Entwicklung von statischen Grenzen hin zu shifting borders. Als Antriebskräfte hinter diesen Umformungen werden Prozesse des „De-Bordering“, gemeint sind etwa Globalisierungsphänomene wie Massentourismus oder der Handel mit Waren, sowie Prozesse des „Re-Bordering“ genannt. Letzteres beschreibt beispielsweise Auswirkungen des Terrorismus und der Kriminalität, aber auch der unerwünschten Migration und Tendenzen der Nationalisierung auf die Selektionsmechanismen, die an den Grenzen ihre Wirksamkeit entfalten. Vor diesem Hintergrund definiert Gülzau drei Entwicklungslinien entlang derer sich Grenzen wandeln: Exterritorialisierung, Fortifizierung und Flexibilisierung. Ersteres bezeichnet die räumlich-vorverlagerte Kontrolle von Überschreitungswilligen, bevor diese die eigentliche Grenze erreichen. Diese Visumspraktik führt zu einer ungleichen Verteilung globaler Mobilität. Der massive Ausbau von Grenzanlagen an der Territoriallinie selbst wird hingegen unter dem Begriff der Fortifizierung gefasst. Solche „Verdickungen“ von Grenzen führen, so Gülzau, zu Diskontinuitätslinien zwischen Staaten.  Im Gegensatz zu exterritorialisierten Grenzen, bei denen Kontrollpraktiken vorverlagert werden, wird mit der Bezeichnung der Flexibilisierung eine Verlagerung von Kontrollen ins Landesinnere markiert. Als Beispiel für diese Formung der Grenze wird der Schengen-Raum genannt, in welchem etwa temporäre oder polizeiliche Kontrollen gängig sind. Aufmerksam macht der Vortragende hier selbstverständlich auch auf die veränderte Wahrnehmung dieser Begrenzungslogik im Schengen-Raum durch die COVID19-Pandemie. Es sind diese drei Dimensionen der Exterritorialisierung, der Fortifizierung und der Flexibilisierung, welche Gülzau als die Merkmale einer Re-Figuration von Grenzen kennzeichnet. Trotz aller Prozesse des „De-Bordering“, die sich vor allem punktuell durchsetzen würden, wird die Kontrollfunktion von Grenzen folglich keineswegs aufgegeben. Damit geht eine Verabschiedung von klar umrissenen und eindeutigen Grenzen einher, vielmehr, so beschließt Gülzau seinen Vortrag, müsse man von einer Überlappung und Diffusion verschiedener Grenzformationen sprechen.

Eine andere Form des ins Verhältnissetzens von verschiedenen Räumen zueinander präsentierte darauf hin Anna Steigemann (TU Berlin). Unter der Überschrift „Spatial Politics in Refugee Accommodations in Berlin“ befasste sie sich mit den alltäglichen Konstitutionen von Räumen und Praktiken des „Homemaking“ von Geflüchteten, die sich in geplanten und zunächst unpersönlichen Unterkünften wiederfinden. Steigemann greift dazu sowohl auf die Forschung des Teilprojektes „Architectures of Asylum“ als auch auf Erhebungen im Rahmen ihrer Habilitation zurück. Dies ermöglicht es ihr, in ihrem Vortrag neben den räumlichen Praktiken innerhalb der Unterkünfte auch auf die Verhältnisse der Flüchtlinge zu umliegenden Nachbarschaften und anderen Migranten außerhalb der Unterkünfte eingehen zu können. In Berlin etwa zeige sich, dass die eigentlichen Prozesse des „Homemaking“ und ein daraus resultierendes Gefühl des Ankommens für die Interviewten nicht in den von ihnen temporär bewohnten Unterkünften stattfinden, sondern vielmehr in einem anderen Umfeld realisiert werden – hier konkret in dem Gebiet rund um die Sonnenallee in Neukölln. Unter anderem spielten dabei bereits seit längerer Zeit in Deutschland lebende Migranten und Migrantinnen eine entscheidende Rolle. Steigemann verknüpfte in ihrem Vortrag daher räumliche Konstitutionen und Prozesse der Vergemeinschaftung. Innerhalb der Unterkünfte ist die Re-Figuration von Räumen vor allem durch die Spannung zwischen den Normen und Anforderungen, welche den Bau der Unterkünfte regulieren und die sich materiell in den physischen Merkmalen der Unterkünfte manifestieren, und den Aneignungen seitens der Flüchtlinge gekennzeichnet. Diese passen die räumlichen und materiellen Gegebenheiten ihren Bedürfnissen, ihren Wünschen und ihren Gewohnheiten an. Geprägt sind diese Umnutzungen von den Vorstellungen der Bewohner, wie ein Zuhause auszusehen, zu funktionieren und was es idealerweise zu ermöglichen habe. Innerhalb der Unterkünfte sieht Steigemann daher einen alltäglich verhandelten Konflikt zwischen „Politics from above“ und „Homemaking from below“. Obgleich sich Veränderungen und ein Umdenken im Design der Unterkünfte durchaus abzeichne, fände nichtsdestotrotz ein beachtlicher Teil des „Ankommens“ von Flüchtlingen außerhalb der Unterkünfte statt. Es sind die umliegenden Nachbarschaften, wie die Sonnenallee, in denen es gelinge einen „sense of belonging“ zu entwickeln, welcher über die temporäre Aneignung von Räumen innerhalb der Unterkünfte hinausgeht. Steigemann verzeichnet hier einen Punkt, der aufmerken lässt: Nicht die als privat erscheinenden Wohnunterkünfte bieten ein Gefühl des Rückzugs und der Ankunft. Es sind vielmehr die (semi-) öffentlichen Räume, die ein Gefühl des Zuhauses vermitteln. Hier gewinnt die Erforschung von Architekturen des Asyls, so Steigemann, durch die Hinzunahme soziologischer Überlegungen zu Praktiken der Gemeinschaftsbildung.

Zum Abschluss schlug die Veranstaltung eine leicht abweichende Richtung ein: Séverine Marguin (TU Berlin) nahm in ihrem Beitrag „Kritische (Miss)verständnisse in der Raumforschung“ weniger räumliche Verhältnisse an sich in den Blick, sondern reflektierte stattdessen die wissenschaftliche Erforschung dieser Bezüge selbst. Dabei ging sie über eine Beschäftigung mit den Schwierigkeiten interdisziplinärer Forschung hinaus, indem sie die Frage nach dem Verhältnis von Wissenschaft und Kritik im umfassenderen Sinne stellte. Zunächst skizzierte die Wissenschaftsethnografin unterschiedliche Auffassungen von Kritik in den Feldern der Soziologie und der Architektur, bevor sie das Aufeinandertreffen der jeweiligen Kritikbegriffe in der Arbeit des SFBs thematisierte. Obgleich sich die Soziologie als kritische Wissenschaft versteht, sei ihr Verhältnis zur Gesellschaftskritik keineswegs eindeutig. Dies hängt traditionell mit dem Anspruch der Wertefreiheit und der Differenzierung zwischen „Sein und Sollen“ zusammen, welche für die Soziologie als wissenschaftliche Disziplin eine entscheidende Rolle spielt. Gleichzeitig könnten sich aber auch Soziologen und Soziologinnen nicht der eigenen Positionalität entziehen. Innerhalb des soziologischen Diskurses sind, so Marguin, vier verschiedene Auffassungen von Kritik besonderes prominent: 1. Die Position des Kritischen Rationalismus, 2. Kritik als wissenssoziologisch aufgeklärte Gesellschaftskritik und 3. Kritik als konstitutive Aufgabe einer Soziologie, welche die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht nur beschreiben, sondern auch problematisieren soll und Bedingungen eines guten Lebens zu identifizieren und vorzuschlagen habe. Im Gegensatz dazu hege die 4. Position eher einen Verdacht gegen das anscheinend Gute und die Fruchtbarkeit von Kritik. Während also Kritik hier ebenfalls der Problematisierung dient, so verabschiedet sich diese Auffassung doch von dem Glauben, die Soziologie müsse (oder könne überhaupt) nachhaltige Verbesserungsvorschläge unterbreiten. Marguin hob hervor, dass jede Auffassung von Kritik auf einer spezifischen Auffassung von Wissenschaft, ihrer Funktion sowie ihres Verhältnisses zur Gesellschaft beruht – geht es in erster Linie um eine Beschreibung, eine Erklärung, eine Interpretation oder um eine Intervention seitens der Soziologie? Unterschiedliche Auffassungen dieser Art treffen schon innerhalb der soziologischen Zweige des SFBs aufeinander. Noch komplexer gestaltet sich die Situation, tritt das Kritikverständnis von Gestaltungs- und Planungswissenschaften hinzu, die im SFB ebenfalls vertreten sind. In der Architektur, welche Marguin als Beispiel heranzog, wird Kritik häufig in der Aushandlung mit den Bedingungen der praktischen Arbeit geschärft, beispielsweise im Umgang mit Bauherren und Auftraggeberinnen oder staatlichen Regulierungen. Gleichzeitig schränken diese aber auch Freiräume zur Entfaltung von Kritik ein, welche wiederrum in der universitären Beschäftigung mit kritischen Fragen der Architektur – diese betreffen etwa das Verhältnis von Ästhetik und Funktion – gesucht werden. Im Gegensatz zur Soziologie interveniert die Architektur als Praxis zwangsläufig. Wo sie wirkt, verändert sie den Raum. Selbst die theoretischen Überlegungen im universitären Kontext, so Marguin, haben doch zumeist alternative Gestaltungsvorschläge zum Ziel. Diese vielfältigen Kritikauffassungen und mit ihnen einhergehend die unterschiedlichen Vorstellungen der eigenen Rolle als Wissenschaft sind es, welche Marguin als Quelle einiger Missverständnisse in der Zusammenarbeit am SFB identifiziert. Beispielsweise hegten Architekten und Architektinnen gegenüber der Soziologie meist Erwartungen an einen gesellschaftsaufklärerischen Impuls. Dies führt jedoch zu Spannungen, sollten sie dabei auf ein Gegenüber treffen, dessen soziologisches Selbstverständnis von solchen Interventionen und Verbesserungsvorschlägen absieht. Hier zeichnen sich neben unterschiedlichen Auffassungen von Kritik auch divergierende Haltungen zur Diagnose und Prognose (sowie deren Verhältnis) ab. Die Überwindung dieser kritischen Missverständnisse sieht Marguin als beständige Herausforderung der gemeinschaftlichen Forschungsarbeit, aber auch Chance, Neues auszuprobieren und von kritischen Impulsen der verschiedenen Disziplinen zu profitieren.

Die Beiträge der Sonderveranstaltung haben, bei allen thematischen Schnittmengen – etwa hinsichtlich von Fragen des Asyls oder Praktiken der Externalisierung –, doch vielfältige empirische Beispiele und unterschiedliche analytische Zugänge aufgezeigt, die verdeutlicht haben, wie sich die soziale Organisation von Räumen und die räumliche Organisation des Sozialen immer wieder gegenseitig beeinflussen. Der wissensethnografische Abschluss der Sitzung über die Eigenarten in den unterschiedlichen Disziplinen der Raumforschung hat darüber hinaus weitere Anregungen zur theoretischen Reflexion des Sonderforschungsbereichs geboten, die – darauf verwiesen die Reaktionen aus der Zuhörerschaft – durchaus auf ein nachhaltiges Interesse stoßen dürften.

Sektion Arbeits- und Industriesoziologie: Future of Work in the Platform Economy

von Oliver Giering

Digitale Plattformen zur Arbeitsvermittlung mit innovativen Geschäftsmodellen und neuartigen Formen von Arbeitsorganisation beschäftigten seit einigen Jahren zunehmend die (sozialwissenschaftliche) Forschung. Oftmals werden disruptive Entwicklungen und eine umfassende Transformation, stellenweise sogar eine Uberisierung ganzer Organisationsformen proklamiert. Anstelle betrieblicher Arbeitsorganisation mit entsprechendem Regulierungsrahmen, tritt nun die sogenannte Plattformökonomie, die Arbeitsleistung über Plattformen direkt koordiniert oder aber Arbeit im und über das Internet in hohem Maße steuert. Allerdings verbleibt der Begriff der Plattform dabei weitestgehend unscharf und umfasst vielfältige Bereiche, was in einem äußerst heterogenen (empirischen) Forschungsfeld resultiert. Daher widmete sich auch der diesjährige DGS Kongress dem Phänomen der Plattformökonomie und fragte über die Sektion Arbeits- und Industriesoziologie nach der „Future of Work in the Platform Economy“. Die Moderation dieses Panels übernahm dabei Martin Krzywdzinski (WZB).

Zu Beginn präsentierten Juliet Schor (Boston College) und Steven Vallas (Northeastern University) einige Ergebnisse ihrer gegenwärtigen Forschung „Understanding Algorithmic Management: Preliminary Findings from the Boston Study of the Algorithmic Workplace”. Mit einem interdisziplinären Team versuchen die ForscherInnen das algorithmische Management und Mechanismen der Kontrolle über die Beschäftigten auf unterschiedlichen Plattformen zu erforschen. Ihre Forschung mit bisher 70 Interviews steht dabei ganz im Zeichen der COVID-19 Pandemie, da die Interviews vornehmlich in den letzten Monaten stattfanden. Bisher zeichneten sich vor allen Dingen drei wichtige Aspekte ab: Erstens beschleunigen Plattformen die Volatilität des Arbeitsmarktes. Während die Arbeit auf digitalen Plattformen zunächst eine Lösung für Einkommensunsicherheiten war, wird diese mit fortschreitender Zeit zum Grund für eben jene. So komme es zunehmend – auch durch die Pandemie – zu einem Überangebot an verfügbarer Arbeitskraft und damit zu einem starken Wettbewerb zwischen den Beschäftigten, der wiederum in geringeren Verdienstmöglichkeiten resultiert. Die Plattformen reagieren entsprechend mit verstärkten Mechanismen der Kontrolle und Disziplinierung (etwa der Leistung). Zudem zeige sich zweitens, dass es kaum Einheitlichkeit bezüglich der Funktionsweise von Plattformen gäbe, da unterschiedliche Plattformen ganz verschieden auf (neue) Herausforderungen reagieren. Drittens werde Kritik von Seiten der Beschäftigten an den Plattformmechanismen weitaus weniger ausgedrückt als vermutet: Plattformbeschäftigte betonen eher die Flexibilität der Arbeit. Zudem böte die Arbeit auf Plattformen Verdienstmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung oder für Menschen, die andere pflegen. Weiterhin betonten manche Befragte gar das Gefühl etwas Gutes mit ihrer Arbeit für andere Menschen zu tun, besonders in Zeiten der COVID-19 Pandemie. Schor und Vallas berichten zusammenfassend, dass das Narrativ des Endes der Arbeit überzogen sei, sehen aber gleichzeitig die Möglichkeit eines „large scale technological replacement of labor“ in bestimmten Bereichen. Sie kommen deshalb zum Schluss, dass der Fokus wohl künftig eher auf Care-Work und weiteren persönlichen Dienstleistungen liegen wird, die eine Face-to-Face Situation erfordern. Es zeige sich zudem erneut, dass die Mehrheit der Plattformbeschäftigten hauptsächlich nebenberuflich auf digitalen Plattformen arbeite.

Nachfolgend präsentierten Fabian Ferrari und Alessio Berolini (beide Oxford Internet Institute) einige Ergebnisse ihrer Forschung zum Thema: “The Tip of the Iceberg: Migration and Decent Work in Germany’s Platform Economy“. Die beiden Forscher widmeten sich der digitalen, ortsgebundenen Arbeit auf unterschiedlichen Plattformen wie Lieferando, CleverShuttle oder Beutreut.de und erstellten ein Ranking, welches die Fairness der Plattform anhand bestimmter Kriterien bewerten sollte. Für ihre Forschung wurden MigrantInnen in Deutschland befragt. Die Befragten gaben an teils verbesserte Chancen auf dem Arbeitsmarkt über plattformvermittelte Arbeit zu haben, da etwa der Einstellungsprozess vereinfacht (so komme es zu weitaus weniger Bürokratie) und die Arbeit allgemein flexibler sei. Neben einem Plus an Autonomie berichteten die Befragten aber auch von rassistischer oder sexistischer Diskriminierung in Zusammenhang mit der Plattformarbeit. Dennoch kommen die Forscher zu dem Schluss, dass Plattformarbeit grundsätzlich die Möglichkeit für MigrantInnen bereitstelle, Zugang zu Arbeit zu finden.  Sie betten ihre Arbeit jedoch in die generelle Problematik des Beschäftigungssystems ein und so seien die negativen Auswirkungen der Plattformen lediglich symptomatisch in Bezug auf die generelle, problematische Situation von migrantischen ArbeiterInnen in Deutschland abseits von Plattformen. So komme es auf dem Arbeitsmarkt teils zu einer Umgehung des Mindestlohns, zum Ausschluss aus sozialen Sicherungssystemen oder etwa zur Verschleierung von Beschäftigung durch Subunternehmen – all dies ließe sich folgerichtig dann auch auf Plattformen wiederfinden. Ihre Methodik der Bewertung der Fairness von Plattformen, als auch die Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und einem entsprechenden Lobbying, könnten helfen, die Bedingungen der Plattformbeschäftigten zu verbessern.

Als dritter Vortragender stellte Heiner Heiland (TU Darmstadt) seine Forschung zu „Worker’s Voice in Platform Labor – Social Composition as Obstacle or Catalyst“ vor. Er untersuchte dazu FahrerInnen von plattformvermittelten Kurierdiensten. Heiland macht dabei die wichtige Anmerkung, dass die Plattformen, die er 2018 und 2019 noch untersuchte, in dieser Form nicht mehr existieren. Foodora und Deliveroo sind so nicht mehr präsent, sondern mittlerweile dominiere Lieferando als Quasimonopol den deutschen Markt. An dieser Stelle ist anzumerken, dass wohl viele ForscherInnen im Feld der Plattformökonomie diese allgemeine Schwierigkeit erleben: die Beständigkeit von Anbietern und Plattformen ist äußerst volatil. Heiland findet in seinem Sample besonders zwei Gruppen von KurierInnen: „Dependents“ und „Messengers“. Während Erstere tatsächlich abhängig vom realisierten Einkommen durch die Plattform sind, sind Letztere eher durch die Subkultur der KurierInnen an der Arbeit interessiert. Die Plattformen bieten vermeintlich freie, aktive, „coole“ und teils auch politische organisierte Arbeit, durch die sich diese Gruppe angesprochen fühlt, wenngleich diese Attribute in der tatsächlichen Arbeit dann kaum erfüllt werden. Dennoch sind es oft genau diese „Messengers“, die politischen Wandel innerhalb der Strukturen anstreben und teils initiieren, aber durch die hohe Fluktuationsrate und ihre vergleichsweise einfache „Exit-Option“ selten daran beteiligt sind, tatsächlich nachhaltige Strukturen zu verwirklichen. Die soziale Zusammensetzung der „Rider“ bietet also über diese Gruppe grundsätzlich Möglichkeiten einer politischen Artikulation – allzu oft scheiden die Personen aber nach kurzer Zeit wieder aus und nachhaltiger Wandel hin zu besseren Arbeitsbedingungen erscheint so kaum möglich.

Zuletzt stellte Sandra Kawalec (IAB Nürnberg) ihre Forschung zum Thema „Crowdwork and Justice Expectations“ vor. Sie untersuchte dazu eine Crowdsourcinginitiative von IBM, als auch die Gerechtigkeitserwartungen von Personen auf Crowdworkplattformen. Kawalec stellt dabei vier Bereiche heraus, die von zahlreichen Personen bezüglich ihrer Erwartungen an Plattformarbeit genannt wurden. Die erste Dimension „Performance-related Justice“ bezieht sich auf die Funktionsweise bestimmter Crowdworkingplattformen. Hierbei zeige sich häufig das Problem, dass nur das beste Ergebnis tatsächlich vergütet wird und alle anderen Einsendungen gänzlich ohne Bezahlung bleiben – obgleich viel Zeit und Arbeit in sie investiert wurde. Probleme hierbei zeigen sich auch in fehlenden, eindeutigen Aufgabenbeschreibungen und objektiven Maßnahmen zur Bewertung der Leistung. Der zweite Bereich widmet sich der „Autonomy“. Befragte berichten, dass sie über eine hohe Selbstbestimmung durch die Crowdwork verfügen und sich besser selbstverwirklichen können. Als dritten Punkt berichten Plattformbeschäftigte von einem Wunsch nach mehr Transparenz bestimmter Arbeitsprozesse und in Bezug auf Kommunikation bei der Arbeit auf Plattformen. Eine Regulierung der Plattformen wird hingegen gleichermaßen nicht unbedingt positiv bewertet, da einige Befragte Risiken sehen, ihre (finanziellen) Vorteile, die sich besonders über Plattformen ergeben, zu verlieren. Als vierten Punkt „Dignity“ äußern die Befragten hohe Erwartungen an eine menschenwürdige Arbeit, die sich nicht immer über Crowdworkplattformen realisieren lassen würden. Teils wird von sehr erniedrigenden Erfahrungen berichtet. Auch in diesem Beispiel zeigen sich vielfältige Auswirkungen, die die Arbeit auf digitalen Plattformen haben kann. Kawalec belegt diese durch entsprechende Zitate aus ihren Interviews in äußerst nachvollziehbarer und interessanter Art und Weise.

Zum Abschluss des Panels fragte Martin Krzywdzinski nach den wichtigsten Herausforderungen und Fragen, die die PanelteilnehmerInnen im Feld der Plattformökonomie sehen. Die Beantwortung dieser Frage offenbarte erneut die Vielfalt und Schwierigkeiten des Feldes, da sich unter dem Begriff der „Plattformökonomie“ nicht nur außerordentlich unterschiedliche Plattformen finden, die unterschiedliche Arbeitsleistungen bieten und Arbeit unterschiedlich organisieren; das Feld unterliegt auch einem ständigen Wandel, sowohl in Bezug auf Markteintritte und –austritte sowie Fusionen, als auch in Bezug auf staatliche Regulierungen, die selbst im Falle einer einzigen Plattform wie Uber, in verschiedenen Ländern oder gar Städten sehr unterschiedlich ausfallen können. Entsprechend vielfältig gestalteten sich auch die Antworten der Vortragenden. So betonte Kawalec, dass die COVID-19 Pandemie auch eine Chance für einige Personen sein könnte, Einkommen zu generieren, allerdings sei die Frage der Fairness der Arbeit außerordentlich relevant. Wer die Akteure sind, die diese schaffen, gelte es zu bestimmen. Gewerkschaften könnten hierbei durchaus hilfreich sein. Heiland hingegen sieht vor allen Dingen das Fehlen von repräsentativen Daten in Bezug auf die Plattformökonomie als Problem an. Zudem bezögen sich die meisten Untersuchungen auf große Städte und westliche Länder, während gerade der ländliche Bereich und Forschung aus dem Globalen Süden – auch im Kontrast zur Stadt und dem Globalen Norden – von großem Interesse wären. Für Ferrari ist besonders der Aspekt der Finanzierung vieler Plattformen von besonderem Interesse: er fragt deshalb, wie lange das Finanzierungsmodell über Venture Capital mit dem Versprechen an eine profitable Zukunft noch aufrechterhalten werden könne, wenn sich doch empirisch zeige, dass kaum eine Plattform auch nach Jahren der Marktaktivität wirklich profitabel sei. Zudem werde deutlich, dass die Plattformen sich über die Zeit – auch durch Regulierung – ändern. Plattformen müssten zunehmend Verantwortung für ihre Beschäftigten übernehmen und sie sollten dabei zeigen, dass sie auch gewillt sind, dies aktiv zu tun. Juliette Schor betonte hingegen abschließend, dass die Forschung sich vornehmlich auf die Perspektive der Beschäftigten fokussiere. Die Seite der Plattformen sei aber auch interessant, möchte man die Analyse der Plattformökonomie vorantreiben. Zudem verliefen die Diskussionen über Regulierungen relativ grundlegend und es bedürfe einer Weiterentwicklung dieser Positionen mit Berücksichtigung der jeweiligen Eigenschaften der Fälle. Vallas fügte hinzu, dass es zudem die jeweiligen Strukturen der Arbeitsmärkte, besonders in Bezug auf „race“ und „gender“, zu berücksichtigen gelte.

Insgesamt lieferte das Panel detaillierte Einblicke in unterschiedliche, teils sehr spezifische Bereiche bestimmter Plattformen, die für die Analyse der Arbeitsorganisation durchaus wertvoll sind. Interessant waren dabei die internationale Zusammensetzung der Vortragenden und das vielschichtige, heterogene Untersuchungsfeld, sowie die jeweiligen Perspektiven auf dieses. Gleichermaßen offenbarte sich aber erneut genau durch diese außerordentliche Vielfalt die Schwierigkeit, Gemeinsamkeiten bei den Untersuchungen zu formulieren, da teils sehr spezielle Plattformen im Fokus der Untersuchungen standen, die jeweils entsprechend spezifische Eigenheiten aufweisen. Verbindend verbleibt daher auch weiterhin der unscharfe Begriff der „Plattform“, der es durch seine Heterogenität und seine ständige Transformation und Wandelbarkeit schwierig macht, gemeinsame und allgemeingültige Ableitungen über die Arbeit auf Plattformen und die Organisation selbiger zu treffen.

„Man darf sich nie von seinem Gegner den Grad der Radikalität des eigenen Denkens und Handelns vorschreiben lassen“. Hans Paul Bahrdt und die „68er“-Bewegung. Ein Gespräch mit Wolfgang Eßbach (Teil 1)

Römer:

Lieber Herr Eßbach, im Rahmen des 39. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) werden Sie über den Kriegsheimkehrer und Soziologen Hans Paul Bahrdt reden und Bahrdts Weg zur Soziologie in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg skizzieren. Bereits im Wintersemester 2015/16 haben Sie einen autobiographisch orientierten Vortrag über Ihre Zeit in Göttingen von 1966 bis 1986 gehalten, in dem auch Bahrdt eine wichtige Rolle spielte. Es liegt deshalb nahe, in einem Gespräch auf die Verknüpfungen zwischen beiden Vorträgen etwas ausführlicher einzugehen. Bahrdt selbst war ja in den 1960er Jahren neben dem aus Wilhelmshaven gekommenen Max Ernst Graf zu Solms Roedelheim das professorale Gesicht des Göttinger Soziologischen Seminars. Zugleich hatte Bahrdt schon in den späten 1950er Jahren mit den gemeinsam mit Heinrich Popitz, Ernst August Jüres und Hanno Kesting durchgeführten empirischen Untersuchungen in der Hüttenindustrie des Ruhrgebiets als Industriesoziologe auf sich aufmerksam gemacht – eine Untersuchung, die nicht nur wichtige methodologische Innovationen bot, sondern auch in der zwischen Soziologie, Sozialdemokratie und westdeutscher Linker ausgetragenen Diskussion über die Klassenstruktur der Bundesrepublik intensiv zur Kenntnis genommen wurde. Mit dem 1961 erschienenen Buch „Die moderne Großstadt“ wirkte Bahrdt über eine engere Fachöffentlichkeit hinaus in andere Berufsfelder wie zum Beispiel Architektur und Stadtplanung. Er machte Mitte der 1960er Jahre außerdem eine Sendereihe für das Fernsehen, um die Soziologie einem breiteren Publikum zu präsentieren und war Impulsgeber für die Gründung des Soziologischen Forschungsinstituts (SOFI) in Göttingen.

Kurzum: Bahrdt war ein öffentlicher Soziologe, wie er im Bilderbuch steht, und in der Zeit, in der Sie nach Göttingen kamen, auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft und Bekanntheit. „„Man darf sich nie von seinem Gegner den Grad der Radikalität des eigenen Denkens und Handelns vorschreiben lassen“. Hans Paul Bahrdt und die „68er“-Bewegung. Ein Gespräch mit Wolfgang Eßbach (Teil 1)“ weiterlesen

Die Eröffnungsveranstaltung in Bamberg

Feierliche Eröffnungsveranstaltungen sind so eine Sache. Wissenschaftliche Kongresse sind keine Parteitage, bei denen die Eröffnungsreden die Richtung vorgeben und eine gewisse Stimmung erzeugen. Was bei der Eröffnung passiert ist mehr oder weniger unabhängig von dem, was vorab von Sektionen und Vortragenden vorbereitet wurde. Daher sollte man nicht zu viel erwarten. Andererseits wurden die Soziologinnen und Soziologen vom Krisenjahr 2015 kalt erwischt – es gibt keine etablierte soziologische Flüchtlingsforschung in Deutschland. Daher war ich durchaus gespannt, inwieweit es bei der Eröffnung gelingen kann, auf ein bisher wenig berücksichtigtes Themenfeld zu reagieren.  „Die Eröffnungsveranstaltung in Bamberg“ weiterlesen

Auf dem Weg nach Bamberg…

 

Soziologische Beobachtungen haben in aller Regel einen bestimmten Anlass – eine Forschungsfrage oder eine Problemstellung. Nimmt man sich nun vor, den 38. Soziologie-Kongress der DGS in Bamberg zu beobachten, dann wird eine spezifische Fragestellung umso notwendiger, denn es handelt sich um eine 5-tägige Veranstaltung mit etwa 2000 Teilnehmenden, mit etlichen Vorträgen von hunderten Personen, die zu beobachten wären. Naheliegend wäre es, sich zu fragen, was denn diesen Kongress von anderen Veranstaltungen unterscheidet. Den Vergleichshorizont könnten etwa 70 Tagungen und Kongresse bilden, an denen ich im Jahr 2016 bereits teilgenommen habe. Dabei handelte es sich um ganz unterschiedliche Vergleichsveranstaltungen, darunter etwa jene von Fachgesellschaften (u.a. Erziehungswissenschaft und Psychologie), Universitäten und Instituten im In- und Ausland (u.a. Israel, Kanada, Indien), Verbänden, Unternehmen, Kommunen, Ministerien und Parteien. Fast alle hatten gemein, dass – auf extrem unterschiedlichem Niveau – Fragen rund um das Themenfeld „Flucht“ aufgeworfen wurden. Und an dieser Stelle könnte man meinen, dass die Soziologie auf ihrer Hauptveranstaltung, zumal unter dem Rahmenthema „Geschlossene Gesellschaft“, hier die entscheidenden Fragen in unnachahmlicher Weise aufwirft und bearbeitet. Dieser Erwartung könnte man gegenüberstellen, dass man mit gutem Willen auf (vielleicht) eine Hand voll Veranstaltungen in den letzten Jahren verweisen könnte, in denen das Themenfeld „Flucht“ ernsthaft diskutiert wurde. Dieser Befund ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass die letzten Kongressthemen – aus heutiger Perspektive – genauso gut in die derzeitige Flüchtlingssituation gepasst hätten („Routinen der Krise – Krise der Routinen“, „Vielfalt und Zusammenhalt“, „Transnationale Vergesellschaftungen“). „Auf dem Weg nach Bamberg…“ weiterlesen

Einladung zur Mittelbauversammlung 2016

Liebe Soziolog*innen,

hier im Blog der DGS haben wir, die Initiative „Für Gute Arbeit in der Wissenschaft“, in den letzten zwei Monaten Facetten der Arbeits- und Lebenssituation  des sog. akademischen Mittelbaus vorgestellt. Neben der fachlichen Auseinandersetzung mit Beschäftigungsbedinungen und -praktiken in der Wissenschaft und deren Auswirkungen auf die wissenschaftliche Praxis geht es uns insbesondere darum, die bestehenden Strukturen zu verändern. Einen Anfang stellen hier die Gremien der DGS dar, in welchen der Mittelbau nicht repräsentiert ist, obwohl er die Mehrheit der DGS-Mitgliedschaft stellt. Aus diesem Grund wird auf dem diesjährigen DGS-Kongress erstmalig eine Mittelbauversammlung stattfinden, um sich über Interessen und Ziele des Mittelbaus in der DGS zu verständigen.

Dienstag, 27. September 2016, 18 – 20.00 Uhr,
Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie,
Audimax der Universität Bamberg

Ein konkretes Anliegen dieser Mittelbauversammlung ist es, Vorschläge für ein Wahlprozedere in der DGS zu diskutieren, das eine Vertretung des Mittelbaus in den Gremien sicherstellt. Erste Vorschläge hierzu wurden auf der Tagung „Soziologie als Beruf. Wissenschaftliche Praxis in der soziologischen Reflexion“ im Februar 2016 vorgestellt und stehen seit letzter Woche auf dem SozBlog zur weiteren Diskussion (bitte Kommentarfunktion nutzen!). „Einladung zur Mittelbauversammlung 2016“ weiterlesen

Der 37. DGS-Kongress in Trier. Der 5. Tag

„Außer routinierten Katastrophen ist alles gut gelaufen“, so fasste Stephan Lessenich die letzte Woche augenzwinkernd zusammen, doch bei der Saalwette musste er sich Martin Endreß geschlagen geben. Es kamen mehr „Krisenroutiniers“ auf die Bühne, als Lessenich gewettet hatte. Unter verdient tosendem Applaus wurde dem Organisationsteam und den Helfer_innen für den reibungslosen Ablauf und die Planung gedankt. So fand die Kongresswoche heute mit der Verleihung des Preises für ein hervorragendes wissenschaftliches Lebenswerk an Zygmunt Bauman einen fulminanten Abschluss.

Die Laudatio auf Herrn Bauman hielt Ulrich Beck, der seinen Vortrag mit dem Titel: „Sinn und Wahnsinn der Moderne“ überschrieb. Bauman sei „kein gewöhnlicher Mensch und kein gewöhnlicher Soziologe“, so Beck und würdigte seine tiefe Aufrichtigkeit und seinen sensiblen Sprachgebrauch. Beck hob das von Bauman erarbeitete Verhältnis von Macht und Politik hervor, diagnostizierte dieser „Ehe“ eine Trennung mit Aussicht auf Scheidung und verwies dabei unter anderem auf die politische Relevanz seines Lebenswerks.

Mit stehenden Ovationen wurde Zygmunt Bauman anschließend auf der Bühne empfangen. Scherzhaft kommentierte er, dass seine eigentliche Leistung nur darin bestehe, ein so hohes Alter erreicht zu haben – nicht nur sympathisch, auch noch bescheiden. Bezogen auf das Kongressthema ging er in seinem Festvortrag darauf ein, inwiefern vergangene Krisen Auswirkungen auf die Gegenwart haben können. Ereignisse wie der 30jährige Krieg oder die Reformationsbewegungen sind eben keine singulären Ereignisse, die für sich stehen, sondern ihre Schatten reichen weit darüber hinaus. So ist die Gegenwart weniger durch die Vergangenheit bestimmt als vielmehr durch ihre ungelösten Aufgaben geprägt. Er möchte sich nicht anmaßen, Vorhersagen über zukünftige Entwicklungen zu treffen, sondern appellierte an die ihm nachfolgenden Generationen, die richtigen Fragen zu stellen und nicht nur Antworten zu suchen.

Abschließend möchte auch ich mich bei allen Beteiligten für diese spannende und aufschlussreiche Woche bedanken. Trier hat bewiesen, dass man mit einem tollen Team und guter Zusammenarbeit auch an einer kleinen Universität einen großen Kongress stemmen kann.

Der 37. DGS-Kongress in Trier. Der 4. Tag

Während ich gestern die Hälfte des Tages mit der Präsentation unseres Forschungsprojektes beschäftigt war, konnte ich mich heute wieder mehr dem Vortragsgeschehen widmen. Ein Programmpunkt war die Mittagsvorlesung von Susanne Baer. Ich gebe zu, ich war beim Titel „Erschütternd. Zur Praxis des Verfassungsrechts“ auf eine nicht sonderlich spannende Vorlesung eingestellt, habe aber von einem Kommilitonen den Tipp bekommen, hineinzugehen, da er schon mal bei einem ihrer Vorträge war und es sich durchaus lohnen könnte. Er sollte Recht behalten. Die Vorlesung war nicht nur sehr gut strukturiert, frei vorgetragen und sprachlich toll formuliert, sondern auch inhaltlich sehr spannend. So schilderte Frau Baer das Verhältnis von Krisen und Routinen hinsichtlich der Rechtspraxis als ein dialektisches. Recht hat auf der einen Seite den normativen Anspruch, Krisen präventiv zu begegnen bzw. diesen entgegenzuwirken. Auf der anderen Seite können jedoch auch Krisen herbeigeführt werden: durch Rechtsprechung wird mit alten Routinen gebrochen und die Entwicklung neuer Routinen verlangt. In dieser Hinsicht versuchte sie der Soziologie über den Zusammenhang der Rechtsprechung mit der Krise und gesellschaftlichen Routinen ein neues Forschungsfeld aufzuweisen.

Am Nachmittag besuchte ich die Ad-Hoc-Gruppe „Die Vermessung des Selbst – Zur Quantifizierung des Körpers“. Das relativ neue Forschungsfeld setzt sich mit dem sogenannten „Self-Tracking“ auseinander, der Messung und Auswertung von Daten wie z.B. Schlafrhythmus, Essverhalten oder Herzfrequenz mittels Computerprogrammen oder Gadgets. Der Körper wird zur Datenquelle und der Mensch zum Manager seines Selbst. Die bisherigen Forschungsergebnisse zu diesem Thema speisen sich vor allem aus qualitativen Interviews und es zeigt sich, dass die (ambitionierten) Self-Tracker dies vor allem für die eigene Motivation (gegen den inneren Schweinehund) und zur Verbesserung der eigenen Leistung tun. Vorher scheinbar routinierte Handlungen wie schlafen oder Treppen steigen gewinnen jedoch unter dem Licht der Aufzeichnung in quantifizierbare Daten eine völlig neue Bedeutung. Man hat nicht mehr nur „gut geschlafen“, sondern man kann auswerten, wie gut man geschlafen hat. Die Nutzer interpretieren und veranschaulichen ihre Daten, werden also zum (vermeintlichen?) Experten über den eigenen Körper und setzen somit neue Anreize, die Verhaltensänderungen zur Folge haben. Das Thema bietet viel Raum für kontroverse Diskussionen und wird wohl nicht nur in der Soziologie noch viel Beachtung finden.

Die letzten Tage, das klang in den vorangegangen Blogbeiträgen schon mit, lieferten sehr viel Input. Heute Abend war meine letzte Schicht als HiWine und ich muss sagen, ich empfand es als eine angenehme Abwechslung, mich hierbei „nur“ körperlich zu betätigen, d.h. Kisten tragen, Flaschen einsammeln, Gläser wegräumen und helfen, wo Hilfe benötigt wurde. Umso perplexer war ich, als heute, kurz nach Feierabend, Zygmunt Bauman neben mir stand und sein Begleiter mich fragte, ob ich nicht ein Taxi bestellen und ihnen den Haupteingang zeigen könne. Ein kurzes, aber nettes Gespräch später stiegen sie ins Taxi und fuhren zum Hotel. Bis Morgen, Herr Bauman, ich freue mich auf Ihren Vortrag!

Der 37. DGS-Kongress in Trier. Der 3. Tag

Der heutige Tag war für mich zunächst vor allem durch die Präsentation unseres Forschungsprojektes „Kunst und Schrott“ auf der Postersession geprägt. Im C-Gebäude fand eine Ausstellung von Forschungsarbeiten internationaler Nachwuchswissenschaftler_innen statt. Es ist wohl auch dem Zeitrahmen zwischen 12.00 und 14.00 Uhr geschuldet, dass sich der Andrang in Grenzen hielt, denn der angeschlagene Zeitraum kollidierte sowohl mit der Mittagspause als auch mit der Mittagsvorlesung von Piotr Sztompka. Nichtdestotrotz war allein die Vorbereitung (Schreiben des Abstracts für das Bewerbungsverfahren, konkrete Umsetzung in visuell und inhaltlich ansprechender Posterform) die Erfahrung allemal wert, da diese Arbeit sicher eine gute Schule für zukünftige, vergleichbare Bewerbungsverfahren war. Darüber hinaus konnte ich mich mit anderen Beteiligten der Postersession über ihre jeweiligen Projekte und Forschungsarbeiten austauschen. Dabei hatte ich die Gelegenheit, für meine anstehende Abschussarbeit wertvolle, vor allem methodische Anregungen und Tipps zu sammeln. Leider konnte ich aufgrund der Präsentation den Vortrag von Herrn Sztompka  zum Thema „Existential Uncertainty: The Predicament of our Time“ nicht hören, der in meinen Augen zu einem der Höhepunkte auf diesem Kongress zählte.

Dafür hatte ich am Nachmittag Zeit, aus der Fülle an Veranstaltungen meinen Favoriten zu wählen. Eigentlich wollte ich die Sektion Kultursoziologie mit dem Thema „Soziologie als kritische Theorie oder Soziologie als Krisenwissenschaft“ besuchen, die mit prominenten Gästen wie zum Beispiel Stephan Moebius und Hartmut Rosa besetzt war. Hier war das Interesse aber so groß, dass der Raum völlig überfüllt war und ich mich daher nach Alternativen umsehen musste. Meine Wahl fiel dann spontan auf die Ad-Hoc-Gruppe „Kaufen für eine bessere Welt“, da ich mich für das Thema Nachhaltigkeit und die Konzeptionierung des Begriffs „ethischer Konsum“ auch abseits des wissenschaftlichen Kontextes interessiere. So wurden hier unterschiedliche Forschungsarbeiten vorgestellt, die unter anderem die Motivation des Kaufens von Fair-Trade Kaffee unter Beeinflussung verschiedener Faktoren untersuchten oder die Rolle von Verbraucherorganisationen als Intermediäre zwischen Kunden und Unternehmen in den Fokus rückten. Dabei kam es zu interessanten Ergebnissen, unter anderem, dass der Kaufpreis gegenüber anderen Faktoren wie gezielter Informationsstreuung oder dem Appell an die ethische Vernunft ein entscheidender Faktor für die Bereitschaft ist, Kaffee zu kaufen, der das Fair-Trade Siegel trägt. Hierbei zeigt sich einmal mehr, dass von diesem Kongress wichtige gesellschaftliche Impulse ausgehen können, dahingehend, dass auf der Basis solcher Studien der Frage nachgegangen werden kann, wie der Wandel hin zu einem nachhaltigen Konsum am ehesten motiviert werden kann.

Als Zwischenbilanz zur Halbzeit des Kongresses ziehe ich aus den von mir besuchten Veranstaltungen ein überwiegend positives Resümee. Etwas schade finde ich lediglich den doch sehr knapp bemessenen Raum für Fragen und Diskussionen, der sich an die Vorträge anschließt. In den Ad-Hoc-Gruppen beispielsweise stehen dafür in der Regel nur etwa 10 Minuten zur Verfügung, die mitunter von nur sehr wenigen Nachfragen und Anmerkungen gefüllt werden, wenn diese etwas weitschweifend formuliert sind.

Der 37. DGS-Kongress in Trier. Der 2. Tag

Ein inhaltsreicher erster Kongresstag liegt hinter mir. Nachdem die gestrige Eröffnungsfeier einen inhaltlichen Ausblick auf die kommenden Tage geben konnte, durften heute die Teilnehmer_innen mit Vorträgen und Diskussionsrunden das Kongressthema aus unterschiedlichster Perspektive beleuchten. Und eben hierbei stellt sich für die Studierendenden die Frage: in welche Veranstaltung soll ich gehen? Allein von 14.15 Uhr bis 16.45 Uhr fanden, laut Programmplan, parallel über 30 (!) Veranstaltungen statt, mit je unterschiedlichen Schwerpunkten. Zwar zeichnet die große Themenvielfalt diesen Kongress in besonderer Weise aus, jedoch ist es für uns bei diesem Angebot schwierig, Prioritäten zu setzen und sich zu entscheiden. Der wissenschaftliche Fokus und das spezifische Interessengebiet sind im Vergleich zu ebenso etablierten wie spezialisierten Wissenschaftlern eben nicht in gleichem Maße entwickelt. Es gilt also, aus einer Fülle an Themen zu wählen.

Ich habe mich unter anderem für die Mittagsvorlesung von Michèle Lamont entschieden, da ihre Arbeiten für mein praxisbezogenes Forschungsprojekt „Kunst und Schrott“, zu dem ich im Rahmen dieses Kongresses eine Posterausstellung mitgestalte, in vielerlei Hinsicht maßgebliche Anstöße gaben. Sie lieferte in ihrem Vortrag einen Abriss über ihr bisheriges wissenschaftliches Schaffen und verwies auf aktuelle Forschungsarbeiten, die der Frage nachgehen, wie stigmatisierte Gruppen auf eben diese Stigmatisierung reagieren und antworten. Ihr Vortrag basierte letztlich auf drei Vorlesungen, die sie auf 45 Minuten heruntergekürzt hatte. Ich muss zugeben, dass der Umfang an Informationen, die sie in dieser kurzen Zeit präsentierte, mitunter schwer zu verarbeiten war. Es war jedoch allemal bereichernd, Frau Lamont persönlich erleben zu dürfen und auf diese Weise einen neuen Einblick in die Vielfalt ihrer Arbeit zu gewinnen.

Ein weiteres Highlight des heutigen Tages war sicherlich die Abendvorlesung von Bettina Heintz, in der sie ein Plädoyer für eine „Soziologie des Vergleichs“ hielt. So stellte sie einen definitorischen Rahmen hinsichtlich der Methode des Vergleichs vor, der an verschiedene Theorierichtungen anschlussfähig ist. Darüber hinaus beleuchtete sie die empirischen, bisher allerdings wissenschaftlich weitestgehend unbeachteten Forschungsmöglichkeiten hinsichtlich kultureller, religiöser oder sportlicher Relationierungen. Sie gestaltete ihren Vortrag auf einem intellektuell sehr hohen Niveau, doch es gelang ihr die Ausführungen mit interessanten und anschaulichen Beispielen zu untermauern, sodass es eine Freude war, ihr zuzuhören.

Ein langer Kongresstag geht zu Ende, der sehr viel Input mit sich brachte. Es braucht sicher noch ein bisschen Zeit, das Gehörte zu verarbeiten und so für mich und meine weitere Arbeit fruchtbar machen zu können. Alles in allem muss man den Referent_innen, dem Organisationsteam und all den Menschen im Hintergrund (Technik-, Mensa- und Cafeteria-Personal und viele andere mehr) ein großes Lob aussprechen, denn es ist deutlich zu spüren, dass jeder hier bestrebt ist, seinen Teil zum größtmöglichen Erfolg dieses Kongresses beizutragen.

Der 37. DGS-Kongress in Trier. Der 1. Tag

„Keep calm and carry on.“ Unter dieses Motto stellte Dr. Nicole Zillien, stellvertretende Sprecherin des Kongresses, ihre einführenden Worte bei der heutigen Auftaktveranstaltung des 37. DGS-Kongresses in der Europahalle Trier. Der Slogan, der ursprünglich die Moral der britischen Bevölkerung im zweiten Weltkrieg stärken sollte und sich seit etwa 15 Jahren als Motto in unterschiedlichen Kontexten zunehmender Beliebtheit erfreut, steht sinnbildlich für das Verhältnis von Krisen und Routinen – dem Leitmotiv des diesjährigen Soziologie-Kongresses. Die Renaissance dieses Slogans in den letzten Jahren verweist uns auf den routinierten Umgang mit krisenhaften Situationen in (post-)modernen Gesellschaften: Ruhe bewahren und fortfahren – auch in Krisenzeiten.

Neben Frau Zillien sprachen an diesem Abend selbstverständlich noch andere Repräsentanten der Universität Trier, der DGS sowie der Stadt Trier und des Landes Rheinland-Pfalz. So stellte Doris Ahnen, die rheinland-pfälzische Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur den Bezug zu aktuellen weltpolitischen Krisen (IS, Ukraine, Schuldenkrise) her und sendete eine Grußnote an das Gastland Polen unter Würdigung des deutsch-polnischen Verhältnisses. Klaus Jensen, Oberbürgermeister der Stadt Trier, ging aus kommunalpolitischer Perspektive auf das Thema Krisen ein. So stellte er beispielsweise die Frage, ob die niedrige Wahlbeteiligung (32,7%) zur Wahl seiner Nachfolge im Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Trier am vorletzten Sonntag, als Krise der Demokratie gedeutet werden kann. Prof. Dr. Michael Jäckel, der Präsident der Universität Trier, stellte in seiner Rede die Vorzüge und Besonderheiten des Campus heraus und würdigte die Universität als Impulsgeber für die ganze Region. Nach weiteren Grußworten des Sprechers des Kongresses, Prof. Dr. Martin Endreß, und des Vorsitzenden der DGS, Prof. Dr. Stephan Lessenich, fand der Hauptprogrammpunkt des heutigen Abends statt – ein Vortrag der Präsidentin der Humboldt-Viadrina School of Governance, Prof. Dr. Gesine Schwan. Leider konnte ich die Reden von Herrn Endreß, Herrn Lessenich und Frau Schwan nicht verfolgen, denn die Pflicht rief.

Ich hatte meine erste Schicht als HiWine und war eingeteilt, die Besucher_innen zu empfangen und bei Fragen mit Rat und Tat als „Krisenroutinier“ (an dieser T-Shirt-Aufschrift erkennt man die studentischen Helfer_innen des Kongresses) zur Seite zu stehen. Hierbei konnte ich einige Eindrücke von der Atmosphäre gewinnen, die einen vielversprechenden Ausblick auf die kommenden Tage erlauben. Es herrschte eine fast schon familiäre Stimmung, viele Teilnehmer_innen kannten einander, begrüßten sich herzlich und unterhielten sich angeregt. Auch als Helferin war es sehr angenehm, auf die Gäste des Kongresses zu treffen, da sie immer auch ein Lächeln für uns Hilfskräfte übrig hatten und uns offen und freundlich begegneten. So verspricht der erste Kongressabend einen positiven Verlauf der kommenden Tage, auch außerhalb der Vortragssäle.

Während die heutige Veranstaltung außerhalb des Campus stattfand, liefen auch in den Räumlichkeiten der Universität heute die letzten Vorbereitungen auf Hochtouren. Räume wurden beschildert, Verlage bauten ihre Stände auf und noch einige Plakate wurden platziert. Für alle, die zwischen den Veranstaltungen eine Auszeit brauchen: im C-Gebäude, Raum C22, wurde zudem eine Lounge eingerichtet, in der man sich mit anderen Besucher_innen im lockeren Rahmen austauschen kann.

Freuen wir uns also auf ein paar spannende Tage und einen ergebnisreichen Austausch. Abschließend bleibt zu hoffen, dass Ministerin Ahnens Zusicherung, die Ergebnisse des Kongresses würden auch in der Politik verfolgt, zutreffen mag, sodass die Inhalte über den wissenschaftlichen Diskurs hinaus auch im politischen Diskurs Beachtung finden werden. Denn die Sozialwissenschaften betreiben ihr Geschäft nicht nur selbstreferenziell, sondern finden ihren Sinn eben auch darin, der Gesellschaft mit ihren Erkenntnissen neuen Input zu geben. Und wenn alles nichts hilft: „Keep calm and carry on.“

Der 37. DGS-Kongress in Trier. Ein Ausblick

In gut einer Woche findet an der Universität in Trier der 37. DGS- Kongress zum Thema „Routinen der Krise – Krise der Routinen“ statt. Die Vorbereitungen haben schon vor etwa zwei Jahren angefangen und laufen seit Beginn des Jahres auf Hochtouren. Nun sind die Tage bis zum Kongress gezählt. Auf den Fluren der Trierer Soziologie ist auf jeden Fall derzeit einiges los. Kaum ein Gespräch vergeht, in dem nicht „der Kongress“ auf die ein oder andere Weise zur Sprache kommt. Auch die Zeitrechnung ist eine andere: Terminabsprachen werden grundsätzlich mit nach „vor“ oder „nach dem Kongress“ eingeleitet. Im Gespräch mit den Organisatoren spürt man die Nervosität, Horrorszenarien werden sich ausgemalt und dann doch mit einem Lächeln abgewunken. Was wäre denn das Schlimmste was passieren kann? Wintereinbruch mit Schneechaos? Anfang Oktober? …wohl eher nicht. Stromausfall in der gesamten Stadt? Auch das ist eher unwahrscheinlich. Alles darunter bekommt man irgendwie geregelt. Von Krise also keine Spur. Auf der Zielgeraden macht sich eher eine positive Aufgeregtheit breit. Obwohl noch ein paar Dinge zu erledigen sind, freut man sich, dass es endlich losgeht.

Es haben sich 1609 Interessierte im Vorverkauf angemeldet (Stand: 27.09.), davon allein ca. 550 Studierende. Eine beachtliche Zahl, die eines hohen organisatorischen Aufwandes bedarf. Aus rein praktischer Perspektive stellen sich mir persönlich, die ich nun seit etwa fünf Jahren in dieser Stadt an der Mosel lebe und studiere, zunächst zur Organisation eines derart großen Kongresses in Trier zwei Fragen: 1. Wie sollen all die Besucher_innen hierher finden?, und 2. Wo werden all die Menschen untergebracht? Jedem, der die Anreise schon geplant hat, wird aufgefallen sein, dass sich die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht nur als sehr lang sondern auch langwierig gestalten kann. Als Stadt mit der schlechtesten Bahnanbindung in Deutschland (Trier liegt auf Platz 80 der 80 untersuchten Städte Deutschlands, laut einer Studie der TU Dresden) gibt es in Trier sicher aus infrastruktureller Perspektive Nachholbedarf. Andererseits sind es jedoch vor allem die Bahnstrecken, egal ob aus nördlicher (durch die Eifel) oder südlicher Richtung (entlang der Saar), die landschaftlich einiges zu bieten haben und für die mitunter umständliche Anreise entschädigen.

Kommen wir zur zweiten Unsicherheit meinerseits: Ich habe mit ein paar Organisatoren vor Ort gesprochen und so ist es auch der guten Zusammenarbeit mit der Touristen-Information zu verdanken, dass die Gäste relativ problemlos in der Stadt unterkommen werden. Bei der Heilig-Rock-Wallfahrt im Frühjahr 2012 kamen immerhin etwa 550.00 Pilger_innen in die Stadt. Auch Reisende zieht es das ganze Jahr über in Scharen in die älteste Stadt Deutschlands. Hier erblickte nicht nur Karl Marx das Licht der Welt, sondern man findet neben einem hervorragenden Weinangebot auch die Porta Nigra, die Kaiserthermen, ein Amphitheater oder das Kurfürstliche Parlais – Zeugnisse der 2000 Jahre alten Geschichte der Stadt. Hier ist man also auf zahlreiche Besucher_innen eingestellt. Zur Not findet man sicher auch in den umliegenden Orten wie Konz, Pfalzel oder Ruwer (mit regelmäßiger Busanbindung nach Trier) noch ein Zimmer. Für das kleine Budget ist die Internetplattform Airbnb eine Alternative zum Hotel oder man wendet sich an die Fachschaft der Sozialwissenschaft in Trier, die eine Bettenbörse initiiert hat. (Die Registrierung ist für Kurzentschlossene noch immer offen.)

Wenn man den Weg hierher also gefunden und sein Zimmer bezogen hat, bleibt zu fragen, wie man außerhalb des Kongressprogrammes den Abend gemütlich ausklingen oder in kleiner Runde den Input des Tages besprechen kann. Die Weinstube Kesselstatt steht offiziell für den Dienstag mit einer Weinprobe auf dem Programm: das Lokal mit regionalem Wein, das direkt gegenüber vom Dom und der Liebfrauenkirche gelegen ist, bietet sich sicher auch die Abende danach als Treffpunkt zum kennenlernen und diskutieren an. Alternativ empfehle ich das Weinsinnig in der Palaststraße, mit ständig wechselndem Angebot an offenen Weinen, oder, etwas „studentischer“, das Simplicissimus am Viehmarkt, das den besten Viez (gegorener Apfelwein, gerne auch mit Limo gemischt) verkauft und wo man – dank eigenem Kicker – die spielerische Herausforderung suchen kann.

Ich freue mich sehr, dass die Uni Trier in diesem Jahr den DGS-Kongress ausrichtet und ich ein paar Soziolog_innen, deren Arbeiten ich bisher nur aus Seminaren oder für Hausarbeiten kenne, hier erleben darf. So erhoffe ich mir durch Gespräche mit anderen Kongressteilnehmer_innen ein paar Anregungen und Meinungen für meine anstehende Abschlussarbeit, bin sehr gespannt auf die Diskussionsforen und Arbeitsgruppen – aus persönlichem Interesse vor allem die Gespräche und Auseinandersetzungen zur Krise in der Öffentlichkeit und zur sogenannten „Medienkrise“. Weiterhin werde ich beim Kongress als HiWine arbeiten und mit ein paar Kommiliton_innen am Mittwoch unsere Forschungsergebnisse mit einem Poster vorstellen.

Die nächsten Beiträge auf diesem Blog stehen somit inhaltlich ganz im Zeichen des 37. DGS-Kongresses an der Universität Trier und ich werde mit Besucher_innen, Vortragenden und dem Organisationsteam das Gespräch suchen, meine Eindrücke zu den besuchten Veranstaltungen und Erfahrungen als Besucherin, Hilfskraft und Posterpräsentatorin auf diesem Blog beschreiben. In diesem Sinne: Allen, die mit der Bahn kommen, wünsche ich eine angenehme Anreise und denjenigen, die nicht dabei sein können, hoffe ich, ein Bild vom Kongress vermitteln zu können.