Zur Systemrelevanz interaktiver Arbeit – in der Corona-Krise und darüber hinaus

Die Sektionen der Arbeitssoziologie (ÖGS) und der Arbeits- und Industriesoziologie (DGS) haben auf dem gemeinsamen Kongress von DGS und ÖGS im letzten Sommer im Zusammenhang mit der Corona-Krise die Frage nach dem „Wert der Arbeit“ gestellt. In unserem Beitrag arbeiten wir den besonderen Wert von Dienstleistungsarbeit im Kund*innenkontakt heraus – generell, aber auch unter den Besonderheiten von Dienstleistungskontakten in der Pandemie. Dort geht es um viel mehr als den Austausch von Leistung gegen Geld. In der Arbeit an und mit Menschen wird eine besondere Art von Arbeit geleistet: „interaktive Arbeit“ (Dunkel/Weihrich 2012). Denn Dienstleister*innen und Kund*innen müssen zusammenarbeiten, um ein Dienstleistungsergebnis zu erzielen. Die Herstellung und Aufrechterhaltung einer solchen Kooperationsbeziehung ist eine anspruchsvolle Angelegenheit: Man muss sich unter unbestimmten Voraussetzungen verständigen, Ziele und Vorgehensweisen miteinander aushandeln, Vertrauen aufbauen, Kompromisse machen und Konflikte befrieden – und all das in der Situation selbst und im Angesicht der/des Anderen.

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Zwischen Auf- und Abwertung: „Systemrelevante Berufe“ und Care in der Corona-Krise

In der Corona-Krise erleben wir in vielen als systemrelevant eingestuften Tätigkeitsfeldern eine Doppelbewegung von Auf- und Abwertung von Arbeit. Die kurzzeitige Aufwertung spiegelt die gesellschaftliche Notwendigkeit dieser Bereiche wider, steht allerdings im Kontrast zu einer permanenten Abwertung durch niedrige Löhne und schwierige, teils schlechte Arbeitsbedingungen. Im folgenden Blogbeitrag beleuchten wir verschiedene Facetten dieser Doppelbewegung für den Bereich der systemrelevanten Gesundheits-, Pflege- und Sorgearbeit in Krankenhäusern.  Hierfür beziehen wir uns insbesondere auf erste Erkenntnisse aus unserem laufenden Forschungsprojekt „Double Fragility: The Care Crisis in the Corona Crisis“, das im Rahmen der Förderlinie „Corona Crisis and Beyond“ von der VolkswagenStiftung gefördert wird und der Frage nachgeht, wie Eltern in systemrelevanten Berufen Kinderbetreuung und Homeschooling während der verschiedenen Pandemie- und Lockdownphasen organisiert haben und welche betrieblichen Unterstützungsangebote für sie geschaffen wurden (Projektleitung: Alexandra Scheele/Universität Bielefeld, Mitarbeit: Greta Wienkamp/Universität Bielefeld, Kooperationspartnerinnen: Nadja Bergmann/L&R Sozialforschung Wien und Helene Schiffbänker/Joanneum Research Wien, Laufzeit: 03/2021 – 08/2022).

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Die Corona-Pandemie und der Wert der Arbeit

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben in der Arbeitswelt sehr unterschiedliche Folgen. Während manche Berufe als „systemrelevant“ diskutiert und hervorgehoben wurden, gerieten andere völlig aus dem Blick. Manche Berufe waren und sind unter hohen Druck geraten, andere wurden zwangsentschleunigt oder ihnen die Verlagerung in das Home Office verordnet. Die aktuellen Entwicklungen haben dabei auch alte Debatten um die Bewertung von Arbeit und die ungleiche Betroffenheiten von Krisen neu entfacht. Wenngleich abschließende Betrachtungen bislang noch nicht stattfinden können, gibt es bereits eine Reihe interessanter Überlegungen und Forschungsergebnisse, die die Veränderungen in der Arbeitswelt und ihr weiteres Entwicklungspotential begleiten.

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Medienkonflikte der Wissenschaft: Zur Wissenschaftskommunikation in Zeiten von Corona (Teil 1)

Die Corona-Pandemie wird nicht nur als Paradefall für Wissenschaftskommunikation gehandelt, sondern sie gibt auch einen besonders interessanten Fall für die empirische Wissenschaftskommunikationsforschung ab [i] . Selten waren Wissenschaftlerinnen derart präsent in den Medien wie in der aktuellen Krisensituation. Besonders der Podcast von NDR-Info „Das Coranavirus-Update mit Christian Drosten“ hat sich zum Publikumsmagneten entwickelt. Gestartet Ende Februar 2020, hat der werktägliche Podcast von Beginn an eine enorme Reichweite entwickelt mit inzwischen rund acht Millionen täglichen Downloads. Drosten, Professor und Leiter des Instituts für Virologie an der Charité Berlin, ist hierzulande die Stimme und das Gesicht der Wissenschaft in der COVID-19-Krise. Aber gerade der Hype um seine Person wird, wie er selbst betont, inzwischen zu einer besonderen Bürde. Aus der Medialisierungsforschung sind solche Personalisierungseffekte in der Wissenschaftskommunikation bekannt. Es stellt sich hier die grundsätzliche Frage, ob ein Mehr an Wissenschaftskommunikation nicht auch nichtintendierte Nebenfolgen produziert, die dem Vertrauen in Wissenschaft und damit der Legitimation politischer Entscheidungen eher schaden als nützen.

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