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Theorie des Straktanten
Die Ameisen-Theorie (ANT[1] oder ANTheorie) hat eine neue Epoche in der Soziologie eingeleitet. Sie hat die letzten künstlichen, verwirrenden Distinktionen durchbrochen, welche sich bloß als erkenntnisverstellend erwiesen haben, jene zwischen Gesellschaft und Natur, zwischen Mensch und Technik, zwischen Person und Materie, zwischen Ich und Es, zwischen Sender und Empfänger, zwischen Schreiber und Computer, zwischen Wissenschaftler…
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Alles wird gut
Dieser Tage hatte ich eine Podiumsdiskussion mit dem Gouverneur der Österreichischen Nationalbank, einem Bankdirektor und einem Journalisten – natürlich über die aktuelle Wirtschaftskrise. Ich warnte die Herren in der Vorbesprechung, dass ich in meiner Einführung nicht allzu viel Aufbauendes sagen würde. Das mache nichts, meinten die beiden Bankleute, und der Chef der Nationalbank fügte hinzu: Er…
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Wir brauchen mehr Katastrophen
Dieser Tage gibt es einen Artikel in Nature[1], der eine plausible, aber ziemlich unangenehme Möglichkeit erörtert: dass wir nicht notwendigerweise, wie in den meisten Umweltstudien angenommen, einen langsamen ökologischen Verschlechterungsprozess über den Zeitraum des nächsten Jahrhunderts erleben könnten, sondern dass es einen „Kippeffekt“, einen Tipping Point, geben könnte, einen plötzlichen Zusammenbruch des Ökosystems. Aufgrund der…
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Die therapeutische Versuchung
Letzte Woche war ich zu Vorträgen bei einem Juristenverein und bei einem Rotarier-Club eingeladen: die Demokratie, die Korruption, die Zukunft. Eine der Erfahrungen, die jeder macht, der zuweilen einen Vortrag für ein allgemeineres Publikum hält (aber im Grunde gibt es ähnliche Erfahrungen durchaus auch in engeren wissenschaftlichen Kontexten): Man erzählt dies oder das über die…
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Text und Kontext
Die Personen weisen Verhaltensmuster auf, die von einem flexiblen, situationsangemessenen Erleben und Verhalten in charakteristischer Weise abweichen. Die persönliche und soziale Funktions- und Leistungsfähigkeit ist dadurch meistens beeinträchtigt. Es werden Handlungen gesetzt, ohne die Konsequenzen zu berücksichtigen. Es gibt häufige, unvorhersehbare und launenhafte Stimmungsschwankungen. Beziehungen sind instabil, oft treten emotionale Krisen auf. Es werden Störungen…
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An der Straßenecke in Sarajevo
Da stehe ich also, an der Straßenecke in Sarajevo, in einer Konferenzpause, und starre auf die Tafel, die daran erinnert, dass hier Gavrilo Princip das Thronfolger-Ehepaar ermordet hat. Es hat – ungewöhnlich für Mitte Mai – in den letzten Tagen geschneit, es ist unangenehm nass und kalt. Es war ein Zufall, damals: Das Bombenattentat war…
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Akademische Sprachspiele
Da flattern sie mir dieser Tage wieder auf den Schreibtisch, diese Broschüren, Qualitätszeitungsbeilagen, Projektreports, Pressemitteilungen, Jahresberichte. Und ich lese: wer die Schlüsselbereiche der Forschung aktiv für die Zukunft mitgestaltet; wo jene herausragenden Forschungsleistungen stattfinden, die unser Land international konkurrenzfähig halten; wie weit man auf dem ambitionierten Ziel vorangekommen ist, in die Gruppe der europäischen „Innovation…
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Was tun wir, wenn wir bloggen?
Ein kleiner Exkurs in die Meta-Ebene, ein in den Strom der Bloggerei eingeschobenes Moment der Selbstreflexion: Was tun wir hier? Wenn man es euphorisch formulieren möchte, dann nehmen wir an einer Revolution teil: „Revolutionen bleiben meist unbemerkt, bis sie einen kritischen Punkt erreichen und alles schlagartig verändern. Wissenschaftliche Blogs haben nicht nur das Potenzial, Revolutionen…
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The Painful Cake – ein Kunstwerk über die Intersektionalität von ‚race’ und ‚gender’? (SozBlog 2012, Lutz 3)
Helma Lutz, 29. April 2012, für SozBlog, den Blog der Deutschen Gesellschaft für Soziologie Das Werk ,The Painful Cake’ des schwedischen Künstlers Makonde Aj Linde wurde am 17. April 2012 im Stockholmer Museum für Moderne Kunst aus Anlass des schwedischen ‚World Art Day’ präsentiert und hat in der Weltpresse eine Flut von Kommentaren ausgelöst. Linde…
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Das R’Wort oder: (wie) beteiligt sich die deutsche Soziologie an der Analyse rassistischer Morde in Deutschland? (SozBlog 2012, Lutz 2)
Helma Lutz, 11. April 2012, für SozBlog, den Blog der Deutschen Gesellschaft für Soziologie Die zufällige Entdeckung der gezielten Ermordung von neun Migranten und einer Polizistin durch die Gruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) hat – ganz im Gegensatz zur Situation in den frühen 1990er Jahren – in Deutschland nicht zu massiven öffentlichen Demonstrationen, Lichterketten u.Ä. geführt.…
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Aufsichtsrätinnen und Care-Arbeiterinnen – Widersprüche und Verwerfungen (SozBlog 2012, Lutz 1)
Helma Lutz, 12. März 2012, für SozBlog, den Blog der Deutschen Gesellschaft für Soziologie Die jährliche Zelebrierung des Weltfrauentages scheint nach wie vor eine große symbolische Wirkung in Gesellschaft und Politik zu haben. In diesem Jahr nahm der Bundestag diesen Tag zum Anlass, eine parlamentarische Debatte zum Thema „Frauenquote in Aufsichtsräten’ zu führen. Während die…
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Rassismus – und was noch? Soziologische Anmerkungen zu den Neonazi-Morden (SozBlog 2012, Treibel 4)
Annette Treibel, 24. Februar 2012, für SozBlog, den Blog der Deutschen Gesellschaft für Soziologie Am 23. Februar 2012 fand im Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt die Gedenkfeier für die Opfer der Neonazi-Morde statt. In den Jahren 2000 bis 2006 wurden Enver Simsek, Abdurrahim Özüdogru, Süleyman Tasköprü, Habil Kilic, Mehmet Turgut, Ismail Yasar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubasik…
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„Unteralimentierung von Professoren?“ – Zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 14. Februar 2012 (SozBlog 2012, Treibel 3)
Annette Treibel, 15. Februar 2012, für SozBlog, den Blog der Deutschen Gesellschaft für Soziologie Das gestrige Urteil des Bundesverfassungsgerichts (1), wonach die Grundbesoldung von W-ProfessorInnen in Hessen nicht verfassungsgemäß sei, wird für die Betroffenen eine Genugtuung sein. Tatsächlich ist es nicht fair, dass man seit 2005 so erheblich schlechter gestellt wird als zu Zeiten der…
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Soziologie und Öffentlichkeit: eine Wissenschaft über den Wolken oder zum Anfassen – was wollen wir? (SozBlog 2012, Treibel 2)
Annette Treibel, 27. Januar 2012, für SozBlog, den Blog der Deutschen Gesellschaft für Soziologie Vom 29. September bis zum 1. Oktober 2011 fand der Soziologie-Dreiländerkongress in Innsbruck zum Thema „Neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit“ statt. Dort haben 700 TeilnehmerInnen die Öffentlichkeit(en) unter die Lupe genommen, aber nicht so sehr sich selbst. Der Kongress war gut organisiert,…
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‚Freundschaften‘ auf Standby schalten – soziologische Empfehlungen für den nächsten Bundespräsidenten (SozBlog 2012, Treibel 1)
Annette Treibel, 6. Januar 2012, für SozBlog, den Blog der Deutschen Gesellschaft für Soziologie Notwendige Vorbemerkung: Im Folgenden geht es nicht darum, ob ich persönlich Christian Wulff nett finde oder eventuell SPD- oder Grüne-Wählerin bin. Eben so wenig geht es darum, über Wulffs Persönlichkeit zu spekulieren. Als Soziologin geht es mir vielmehr um folgende Fragen:…
Die Beiträge spiegeln die jeweiligen Positionen der Autor:innen,
die DGS macht sich diese nicht zu eigen.