Das Medium 2.0 ist die Botschaft (1/2)

Das Schöne an Blogs ist, dass sie kommunikative Freiräume generieren. Weder Thema, Stil noch Zeichenlänge sind vorbestimmt. Ich kann also schreiben, was und wie ich es will in den kommenden zwei Monaten, in denen ich den SozBlog bespielen darf. Ich muss mich nicht mit rigiden Formatrichtlinien herumschlagen. Kein Verlag und keine Deadlines sitzen mir im Nacken. Einzig das imaginierte Publikum bildet ein Korrektiv, das mein Schreiben in gewisse Bahnen lenkt. Wen dieser Blog tatsächlich erreicht und wie er aufgenommen wird, ist unklar. Das ist und war auch bei gedruckten Publikationen nicht anders. Der Unterschied liegt vielmehr in dem Hervortreten der Person hinter dem Text und der Möglichkeit, mit ihr direkt ins Gespräch zu kommen. Die Haltung der eigenen Fachcommunity Blogs und anderen sozialen Medien gegenüber scheint insgesamt bislang eher zurückhaltend bis skeptisch. Warum eigentlich?

Komm! ins Offene [i]

Mit der Selbstpublikation verlässt man als Wissenschaftlerin den vertrauten Pfad einer Qualitätskontrolle vor der Veröffentlichung und verliert damit auch ein Stück Sicherheit. Es gibt keine Redaktion, die über die Publikationswürdigkeit eines Beitrags auf Basis von Gutachten entscheidet und über die erforderlichen Korrekturen wacht. Die Verantwortung für die nachfolgenden Texte liegt somit ganz allein bei mir; das macht bereits der Teaser des SozBlogs deutlich, bei dem sich die DGS schon mal vorsorglich von den Meinungen ihrer Autorinnen distanziert, ja, distanzieren muss. Wenn ich also nicht meinen eigenen Blog nutze, sondern für den DGS-Blog schreibe, prägt dies auch das eigene Schreibverhalten in Form von Erwartungserwartungen. Dabei sollte es in einem Blog, auch wenn er von einer Fachgesellschaft betrieben wird, nicht darum gehen, die etablierten Schreibpraktiken im Fach einfach nur zu übertragen, das würde dem ‚neuen‘ Medium nicht gerecht. Im Wissenschaftsblog sollte es aber umgekehrt auch nicht um Privatmeinungen, Gefühle oder solche Erlebnisse gehen, die ganz andere Rollen betreffen. Inhaltlich muss in einem Wissenschaftsblog der Bezug zur Forschung gegeben sein, stilistisch darf es auch ruhig persönlicher werden. Die Gratwanderung beim Schreiben besteht somit darin, zwischen formaler und informeller Kommunikation eine individuelle Handschrift zu entwickeln, die zumindest einige Leserinnen, die an Soziologie interessiert sind, zeitweise bindet. Mit dem Bloggen betritt man auch in anderer Hinsicht ein für die Wissenschaft bislang weitestgehend unbekanntes Terrain, womöglich direkte Rückäußerungen eines noch unbekannten und fachfremden Publikums auf einen Text zu erhalten und darüber ins Gespräch zu kommen [ii]. Auf die Kommentare bin ich schon gespannt, denn die Interaktivitätsfunktion wie sie das Web 2.0 ermöglicht, hat bekanntlich ihre Sonnen- und Schattenseiten.

Wie sehr meine Vorgängerinnen auf dem SozBlog mit dieser quasi ungeschützten Rolle der Bloggerin teilweise haderten, wird jeweils in ihrem ersten Blogpost deutlich. Dieser dient häufig zunächst der Selbst- und Fremdvergewisserung zur Bedeutung des Bloggens für die Soziologie und das soziologische Selbstverständnis. Werner Rammert unterscheidet drei Stile des Bloggens: ‚professional‘, ‚personal‘ und ‚public sociology‘ und stellt zugleich fest, dass er den Aufwand des Bloggens doch unterschätzt habe, es sei ein „langwieriges und zeitraubendes Geschäft“. Sicher werde ich ihm am Ende meines Selbstversuchs noch zustimmen. Hella von Unger bewertet soziale Medien als zweischneidiges Schwert, sie „eröffnen faszinierende Möglichkeiten für Austausch, Information, Vernetzung und Forschung und sind doch auch etwas unheimlich, da sie Momente des Ungewissen und Unkontrollierbaren einschließen und starke Dynamiken entfalten (können)“. In den Kommentarspalten zeigen sich in der Tat mitunter destruktive Tendenzen im SozBlog genauso wie in journalistischen Medien auch, das kann unangenehm werden und ist wenig zielführend. Mein Kollege Jo Reichertz ging 2013 so weit zu sagen, dass das Bloggen sogar ‚gefährlich‘ werden kann – „vor allem für die, die noch auf eine Karriere in der Wissenschaft hoffen“, und zwar aufgrund „subversive[r] (Fehl-)Deutungen durch Nutzer jedweder Art“. Wenn man die neuen Möglichkeiten des wissenschaftlichen Austauschs und der soziologischen Kommunikation nach außen auch als Chance begreift, ist die Nicht-Nutzung sozialer Medien sicher keine Lösung. Stattdessen gilt es Ansätze zu finden, wie man sich speziell als Wissenschaftlerin wappnen kann und muss, um nicht getrollt zu werden. Dies könnte auch Thema für die DGS sein.

Plurale Aneignungsweisen des Blogs

Anders als bei selbst generierten Autorinnen-Blogs scheint es für viele der Kolleginnen auf dem SozBlog der DGS das erste und für manche vielleicht sogar das letzte Mal zu sein, dass sie sich auf ein solches Schreibexperiment einlassen. Die sozialen Medien sind der Wissenschaft, wenn man auf Umfragewerte blickt [iii], in weiten Teilen immer noch suspekt. Die geringe Nutzungsintensität sozialer Medien in der deutschsprachigen Soziologie betrifft sowohl die Seite der Autorinnen als auch der Rezipientinnen. Twitter scheint jedoch so langsam Fuß zu fassen. Gestartet im September 2011, hat der SozBlog inzwischen 43 Autorinnen(-Teams), mich eingeschlossen, versammelt. Pro Blogetappe wurden von den Autorinnen von zwei bis zu 43 Beiträge (Nina Baur, Chapeau!) verfasst. Genutzt wurde der Blog in ganz verschiedenen Hinsichten: als reflexives Schreiben über laufende Forschungsarbeiten, zur Theorieentwicklung oder Methodendiskussion, als Konferenzdokumentation, für Reiseberichte, als Medium aufwändiger Buchrezensionen, als Forum für politische Teilhabe und Interessenvertretung, als Präsentationsfläche für Forschungsverbünde oder als Ort für professionspolitische Grenzziehungen. Dieses Spektrum an Mitteilungen kann keine soziologische Zeitschrift bedienen. [iv] Jene Freiheitsgrade sind die Vorzüge eines Blogs, der über spezielle Fachzirkel hinausragt. Ein Wissenschaftsblog spiegelt, um ein Bild von Mareike König zu bemühen, das bunte Treiben auf einem Basar und nicht den Gang in die Kathedrale. [v]

Publikationsmedien der Wissenschaft im Vergleich

In Fächern wie der Soziologie, die ein recht diverses Spektrum an Publikationsmedien unterhält, können bekanntermaßen auch Beiträge wissenschaftliche Debatten beflügeln, bei denen es sich nicht um begutachtete, indexierte und standardisierte Fachartikel, sondern bspw. um Handbuchartikel oder Monographien handelt. Publikationsmedien erfüllen jeweils unterschiedliche Funktionen, darauf wies bereits Ludwik Fleck im Jahr 1935 hin als er die Differenz zwischen Zeitschriftwissenschaft, Handbuchwissenschaft, Lehrbuchwissenschaft und populärer Wissenschaft einführte. Allein dem Begriff nach würde man Blogs intuitiv der ‚populären Wissenschaft‘ zuordnen, ich erinnere nur an die vielen Debatten hier um public sociology auf diesen Seiten. Folgt man Flecks Charakterisierung denksozialer Formen sind forschungszentrierte Blogs aber viel näher an der Zeitschriftwissenschaft. Zu den Merkmalen der Zeitschriftenwissenschaft gehört, so Fleck, ein „Gepräge des Vorläufigen und Persönlichen“. Vorläufig, weil es sich noch nicht um abgesichertes Wissen handelt, wie es in Handbüchern zu finden ist. Persönlich, weil alleine die Problemwahl, das Material, die technische Herangehensweise u.a. mit dem Verfasser untrennbar verbunden ist. Mit anderen Worten: Der Anspruch auf Originalität, die Schaffung neuen Wissens, wird nur von der Zeitschriftwissenschaft erfüllt und zwar in Form kommunikativer Offerten. Die Relevanz und Evidenz des vorgeschlagenen, nicht additiven Wissens muss aber erst von der Wissenschaftsgemeinschaft geprüft werden, bevor sie Eingang in die (Handbuch-)Wissenschaft finden kann. Vorschläge dieser Art, das Austesten von Argumenten, findet man auch hier auf dem Blog. Diese öffentlich vollzogenen Denkbewegungen und Überzeugungsversuche sind aber eben gerade nicht mit apodiktischem Wissen gleichzusetzen, das laut Fleck die populäre Wissenschaft kennzeichnet und am ehesten in journalistischen Medien oder auf dem Sachbuchmarkt zu finden ist.  

Wenn nun aber beobachtbare Nutzungsweisen von Blogs der denksozialen Form der Zeitschriftenwissenschaft am ehesten entsprechen, bleibt fraglich, warum dennoch so weitverbreitete Vorbehalte, mich selbst eingeschlossen, existieren. Schließlich ist der Zeitschriftenartikel die heutige Währung im Wissenschaftsbetrieb. Was hindert die Wissenschaft allgemein und die Soziologie im Besonderen also daran, das Medium Expertinnen-Blog weiter für ihre Erkenntniszwecke auszuschöpfen? Mein erster Eindruck ist der, dass das Potenzial noch nicht richtig zur Entfaltung kommt, weil die Beteiligten zwar bemüht sind, etwas Interessantes zu schreiben, aber teilweise unter ihren Möglichkeiten bleiben. Das Ergebnis ist dann eben informativ, aber selten spektakulär. Kritikerinnen fühlen sich dadurch bestätigt, die Skepsis gegenüber dem Bloggen bleibt bestehen.

Diese Ladehemmung liegt vermutlich nicht im Unwillen, sondern im wissenschaftlichen Gratifikationssystem begründet. Ist der Beitrag sehr gut, lautet das Feedback: Wieso hier? Den hätte man doch sicher auch in einer Zeitschrift unterbringen können! Als Autorin steckt man somit in der Zwickmühle: Wie soll man für die Wissenschaft vernünftig bloggen, wenn es unterhalb des Niveaus von Zeitschriftenartikeln bleiben soll, aber die Autorin trotzdem dafür geradestehen muss? Wenn erwartet wird, dass es verständlich genug für ein fachexternes Publikum sein soll, aber eben nicht auf populäre Wissenschaft abzielen kann. Populäre Wissenschaft ist jene, die nichts unbedingt Neues präsentiert, sondern laut Fleck entsteht sie erst durch wiederholte Mitteilungen und Benennungen des Wissens, das somit abgerundet erscheint dank Vereinfachung, Anschaulichkeit und Apodiktizität. Mit Open Science hätte das wenig zu tun. Selbst das Publikum, das sich hier versammelt, ist ein anderes als die allgemeine Öffentlichkeit, auf die die Massenmedien zielen.

Ein vielversprechender Ansatz erscheint mir, Blogs als denksoziale Form zu begreifen für wissenschaftliche Testballons, um sie in Echtzeit zu diskutieren, und im Erfolgsfall für einen Artikel weiter auszuführen. Als Leserin wäre man quasi live am Denkprozess anderer beteiligt und genau darin könnte auch der Leseanreiz bestehen. Wenn dann noch Wert auf Sprache und Dramaturgie gelegt wird, dann wird es für die Autorin ein anspruchsvolles Unterfangen. Blogposts also am ehesten als Essays und eben nicht als populäre Beiträge. Damit entfällt gewissermaßen die Sorge, Wissenschaft bzw. die Soziologie würde sich damit automatisch popularisieren müssen. 


[i] Hier und beim leicht abgewandelten Titel frage ich mich –  sollte ich die Urheber in einem Blog eigentlich auch zitieren?  Oder geht es hier eher um eine künstlerische Referenz, sobald man den Ausspruch als bekannt voraussetzen kann?

[ii] So intensiv wie heute an vielen Orten mit Open Peer Review experimentiert wird, ist jedoch nicht auszuschließen, dass die öffentliche Kommentierung und Diskussion von Forschungsergebnissen (vor oder nach der Veröffentlichung) bald zur Routine wird. Dazu sicher später mehr.

[iii] Über Hinweise auf aktuellere und international vergleichende Umfrageergebnisse wäre ich dankbar.

[iv] Das Internetportal Soziopolis bietet aber inzwischen genau jene Vielfalt plus Nachrichtenfunktion. Hier wäre die strategische Frage, wie das Alleinstellungsmerkmal des SozBlogs noch stärker akzentuiert werden könnte.

[v] Wer mehr über Wissenschaftsblogs erfahren möchte, der sollte gleich den ganzen Artikel von Mareike König lesen.

Verschwunden, nicht gestorben. Warum sich die Raumsoziologie (trotzdem) wieder mit dem Dorf beschäftigen sollte

Mediale Evidenz: Verlorenes Land und sterbendes Dorf

Sie ist zurück, die tradierte kulturelle Dichotomie von Stadt und Land, genauer: von Land als Gegensatz zu Stadt – und vielleicht war sie nie verschwunden. In regelmäßiger Folge werden medial starke, meist negative Bilder von ländlichen Regionen gezeichnet, die sich vor allem auf deren prominenteste Siedlungsform beziehen: Vom „Siechtum deutscher Dörfer“ (Die Welt, 22.7.2014), dem Aussterben „ganzer Landstriche“ (SWR, 9.2.2016), so mancher Gemeinde, die „keine Zukunft“ habe (Die Zeit, 18.7.2013), einem „Tod auf Raten“ (Spiegel online, 23.4.2011) und dem „ersten deutschen Dorf“, das „dicht“ mache (Bild, 7.11.2007), ist da beispielsweise die Rede. Manche dieser Artikel scheinen erst in der jüngsten Vergangenheit – also nach über zwei Jahrzehnten Schrumpfung Ost – das Phänomen der (altersselektiven) Abwanderung zu entdecken, welche „die ländlichen Regionen stark verändern werde“, wie es ein Beitrag ganz zukunftssicher formuliert (Die Welt, 22.7.2014).

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Trojanische Soziologie – ‚sich der Öffentlichkeit unterjubeln‘

Eigentlich hätten wir der Welt so viel zu sagen, doch die Soziologie ‚fremdelt‘ in der Öffentlichkeit. Als Ursache für das Problem wurde die Lücke zwischen professioneller Forschung und öffentlicher Kommunikation ausgemacht – unter dem Schlagwort ‚Public Sociology‘ wird an der Rückeroberung des Publikums gearbeitet. Dabei scheint man sich heutzutage vom Begriff der Intellektuellen eher abzugrenzen – das klingt wohl zu bevormundend, größenwahnsinnig oder einfach nur altbacken. Nichtsdestotrotz: Intellektuelle des letzten Jahrhunderts stehen für eine Hochphase der öffentlichen Soziologie. Sie erfüllten den Anspruch, sozialwissenschaftliche Analyse und Kritik zu artikulieren und damit selbst Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen zu nehmen. Im Unterschied zu damals, so unsere These, muss man die Soziologie heute der Öffentlichkeit ‚unterjubeln‘ – als trojanisches Pferd.

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Mediale Darstellungen von Vätern in Elternzeit

Gefällt mir? – Mark Zuckerberg in Elternzeit.

Kurz vor der Geburt seiner Tochter Maxima gab Mark Zuckerberg im November 2015 bekannt, dass er Elternzeit nehmen wird. Medienvertreter_innen und Facebook-Nutzer_innen griffen sowohl seine Ankündigung, als auch die Bilder, die er aus seiner Elternzeit postete, begeistert auf. Hat es nur etwas mit dem Teile-alles-mit-allen-Medium Facebook zu tun, dass uns Zuckerberg so schön teilhaben lässt an seiner „involvierten Vaterschaft“ oder ist das (Elternzeit-)Papa-Sein tatsächlich „hipp“ geworden? Gehen „echte Männer“ heute in Elternzeit?

Nachdem meine Kollegin Luisa Streckenbach in ihrem Beitrag die mediale Darstellung von drei hippen Papas in Berlin betrachtet hat, schaue ich mir in diesem Beitrag die Kommentare rund um einen spezifischen Elternzeit-Vater an: Mark Zuckerberg.

Das Posting Elternzeit zu nehmen ist einerseits eine private Entscheidung – da schließe ich mich Zuckerberg an, der in seinem Posting von einer „very personal decision“ spricht. Aber spätestens die zweite Frauenbewegung machte darauf aufmerksam, dass das Private immer auch Politisch ist. Und wenn eine so prominente Figur wie Mark Zuckerberg Elternzeit ankündigt, dann ist ein Medienecho garantiert und höchstwahrscheinlich auch kalkuliert. „Mediale Darstellungen von Vätern in Elternzeit“ weiterlesen

Mediale Darstellung von Vätern in Elternzeit

…  am Beispiel der Dokumentation ,Hippe Papas‘

,Neue‘, ,aktive‘ oder auch ,engagierte Väter‘, so scheint es, gibt es immer mehr – zumindest sind sie in aller Munde. Anne von Friesen spricht gar von einer „stille[n] Revolution der jungen Väter“ (2015) und der CEO von Facebook, Mark Zuckerberg, veröffentlicht Fotos mit sich und seiner im Dezember geborenen Tochter Max beim Kuscheln auf dem Boden, beim Schwimmen oder beim Wickeln des Kindes (vgl. Zuckerberg 2015). Die Fotos wirken wie Werbefotos für aktive und engagierte Vaterschaft. Die Firma Facebook hat passend dazu im November 2015 verkündet, dass Eltern nach der Geburt ihres Kindes eine viermonatige und bezahlte Elternzeit (parental leave) bekommen (vgl. Wtop 2015). Im Kontext dieser medialen Darstellungen von Vaterschaft fanden meine Kollegin Kathrin Peltz und ich es spannend, im Rahmen unseres Projekts „Care‑Praxen von Vätern in Bayern – Fürsorgeverhalten und Paardynamiken bei der Nutzung des Elterngelds“, die mediale Darstellung von Vätern mal etwas genauer zu betrachten. Im Rahmen dieser Entscheidung sind wir auf die kurze Dokumentation [Hippe Papas – Vatersein in Berlin] gestoßen, die wir aus vielerlei Hinsicht interessant finden und welche ich im folgenden Text näher begutachten werde. „Mediale Darstellung von Vätern in Elternzeit“ weiterlesen

Niemand kümmert sich

Na? Wie ging es Ihnen in dieser Feiertags-Saison? Haben Sie die Gans gut verdaut? Oder doch darüber gestritten, was auf die festliche Tafel kommt? Ob Essen, Timing und Ausmaß der Bescherung, Kirchgang, Fernsehprogramm … Wenn die Familie – was auch immer das sein mag (und davon wird in den kommenden Wochen noch vielfach die Rede sein) – zusammen kommt, kommen muss, gibt es leicht, nun ja, Spannungen. Kein Wunder: Höchste Erwartungen haben eine entsprechend riskante Fallhöhe. Passend hat dies der inzwischen kultige EDEKA-Spot inszeniert. An diesem lässt sich trefflich über Familienrituale bzw. über Care, Gender und weiteres Gedöns nachdenken.  „Niemand kümmert sich“ weiterlesen

Das Web und die Soziologie

Liebe Leserin, lieber Leser,

als ich vor einigen Monaten gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, für zwei Monate den Soziologie-Blog zu bestreiten, habe ich spontan zugesagt. Bislang habe ich keinerlei Erfahrung mit der Praxis des Bloggens. In den letzten Semestern haben mir aber die Studentinnen und Studenten klar gemacht, dass dies ein „professionelles Manko“ sein könnte. „Das Web und die Soziologie“ weiterlesen

Schütz‘ „gut informierter Bürger“, die dialogischen Medien und die Transformation der Wissensvermittlung (Populäres Wissen 3)

Öffentlichkeit und Alltagswissen
Der letzte Blogbeitrag hat das sich ändernde Verhältnis zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit behandelt und damit zugleich die Verwendung des Blogs als kommunikativer Gattung in einem wissenschaftlichen Kontext reflektiert. Da der Begriff der „Öffentlichkeit“ sehr vieldeutig ist, möchte ich in diesem dritten Teil versuchen, die Veränderungen aus einer wissenssoziologischen Perspektive anzugehen. Im abschließenden vierten Teil dieses ersten Blocks meines Sommerloch-Soziologische-Theorie-Blogs will ich unter dem Titel des Populären skizzieren, in welche Richtung sich diese Veränderungen zu bewegen scheinen.

„Schütz‘ „gut informierter Bürger“, die dialogischen Medien und die Transformation der Wissensvermittlung (Populäres Wissen 3)“ weiterlesen

Public Sociology und populäres Wissen (2):

Public Sociology, Wissenschaft und Öffentlichkeit

Armin Nassehi bestreitet die These von Nina Baur, das SozBlog würde bereits „öffentliche Soziologie“ (also „public sociogy“) bedeuten (in den Kommentaren). Dennoch steht außer Frage, dass Blogs (Weblogs) besondere kommunikative Medienformate darstellen. Diese gehen aufgrund ihrer interaktiven und technischen Formate weit über eine bloße neue „Textsorten“ hinaus, sind aber keineswegs spezifisch für die Wissenschaft. Blogs werden ja von allerlei Menschen für allerlei Zwecke geschrieben (Diese Zwecke kann man vermutlich kaum als „Funktionen“ beschreiben, auch wenn man vermuten kann, dass der Blog – wie jede kommunikative Gattung – bestimmte Probleme kommunikativen Handelns löst). Aus diesem Grund entspricht das Blog durchaus der Forderung des ehemaligen Präsidenten der Amerikanischen Soziologischen Gesellschaft, die Soziologie in die Gesellschaft zu tragen, indem sie sich an öffentlichen Debatten beteiligt (Burawoy 2005).

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Soziologischer Monatsrückblick Juli 2013

von Betty Zepernick

Im Juli hatten wir die Ehre, den Sozblog der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in der Sommerpause mit einigen Beiträgen zu gestalten. Ebenso wie unser derzeitiger Call4Papers drehten sie sich um das Thema „Krisen und Umbrüche“ und handelten von den verschiedensten Aspekten des Wandels. Vornehmlich ging es um gesellschaftliche Veränderungen durch zunehmende Medialisierung und technologischen Wandel, aber auch die Ungleichheit in urbanen Räumen und Probleme des Wandels in Ostdeutschland wurden thematisiert.

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Über die Suggestion steigender Delinquenz im Zeitalter der Medialisierung

Von Sarah Kaschuba

Soziale Umbrüche und Gesellschaften im Wandel – dieses Thema wirft sicher für viele Menschen, zumindest aber für Soziologieinteressierte, eine Menge Fragen auf. Auf einige dieser werden wir in unserer Blogreihe eingehen. Einen Aspekt stellt der Prozess der zunehmenden Medialisierung dar. Welche Auswirkungen haben die modernen Kommunikationsmittel auf die Wahrnehmung und Verhaltensweisen in unserer Gesellschaft? In diesem Artikel soll es darum gehen, wie in Zeiten von ständigem Informationsfluss über Internet, Fernsehen und Radio die Entwicklung der Kriminalität dargestellt wird – und welchen Einfluss das auf die Rezipient_innen hat.

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Grüezi mitenand! – Ein erster Eindruck vom SGS-Kongress in Bern

Heute ein Ausflug ins schöne Bern, um den Kongress der Schweizer Gesellschaft für Soziologie zu besuchen. Und darum hier ein ganz subjektiver Erfahrungsbericht der SozBloggerin:

Im ersten Panel, das ich jetzt gerade besuche, geht es um „Eliten- und Unterschichtenmedien: Abschichtung und Segmentierung der Öffentlichkeit“. Interessant ist, mit wie viel voraussetzungsreichen Begriffen dabei operiert wird, wie viel „unsichtbare“ Theorie in den Konzepten der empirischen, eher quantitativ orientierten Vorträge vorkommt. In vier Beiträgen wird der Wandel des Mediensystems im Hinblick auf soziale Schichtung in den Blick genommen. Drei Beiträge beschäftigten sich mit dem Wandel des Publikums und der medialen Angebote, der jetzt laufende, vierte Beitrag nimmt das „Prekariat des Schweizer Journalismus“ unter die Lupe.

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Der Ausschluss ist Alltag

In den folgenden Beiträgen will ich versuchen, eine soziologische Annäherung an das Phänomen des rechtsterroristischen „Nationalsozialistischen Untergrund“ zu leisten. Dabei soll es weniger um die Terroristinnen und Terroristen und ihre konkreten Verbrechen gehen als darum, wie die Straftaten medial und politisch thematisiert wurden.

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Sense and Sensibility #2 Vom Leiden profitieren?

Wie und wann profitiere ich als Autorin vom Leiden anderer? Wie kann ich der Position von Opfern in meinen Publikationen einen Raum geben? Wie verträgt sich das mit der kühlen soziologischen Beobachtung?

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Sense and Sensibility #1 Der Grundsatz der Anonymität unter digitalen Bedingungen

In diesem und dem nächsten Beitrag will ich zwei forschungsethische Probleme behandeln, die für meine aktuellen soziologischen Arbeit eine Rolle spielen. Ich habe (leider) keine Lösungen, sondern nur sehr viele Fragen anzubieten, die aber sicher nicht nur mich betreffen.

In der Hoffnung darauf, dass Reflexion an und für sich einen Wert hat, soll es heute zunächst um die Frage gehen, ob und wie sich der Grundsatz der Anonymisierung unter digitalen Bedingungen verändert.

„Sense and Sensibility #1 Der Grundsatz der Anonymität unter digitalen Bedingungen“ weiterlesen