Diskussion: Wahlverfahren zu den DGS-Gremien

Vorschläge zur Reform des Wahlverfahrens und zur Repräsentation des Mittelbaus in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS)

Eines der wichtigsten Ziele unserer Initiative ist eine größere demokratische Legitimation der Gremien und eine breitere Partizipation der Mitgliedschaft in den Strukturen der DGS.

Das bisherige Wahlverfahren der Gremien der DGS ist intransparent und sorgt bisher dafür, dass von den insgesamt 37 Personen in Vorstand und Konzil 36 Professor*innen sind. Weder der akademische Mittelbau, der den Großteil der DGS-Mitglieder ausmacht noch die Studierenden sind vertreten. Für mehr Inklusion, Partizipation, Demokratie und Interessenvertretung bisher noch nicht oder schlecht repräsentierter Gruppen hat die Initiative „Für Gute Arbeit in der Wissenschaft“ Vorschläge zur Reform des Wahlprozederes von Vorstand und Konzil der DGS erarbeitet. Für die Umsetzung dieser Vorschläge müssten sowohl die Satzung, als auch die Wahlordnung der DGS geändert werden.

Die Diskussion zur Reform des Wahlverfahrens soll hiermit eröffnet werden, Alternativen müssen gegeneinander abgewogen werden. Deshalb ist Eure und Ihre Meinung zu unseren Vorschlägen zu Veränderungen in den Gremien sowie dem Wahlprozedere hier im Blog gefragt. Basierend auf dieser Diskussion soll ein überarbeiteter Entwurf sowohl auf der Mittelbauversammlung als auch der Mitgliederversammlung während des 38. Kongresses der DGS Ende September 2016 in Bamberg vorgestellt werden.

  1. Vertretung des Mittelbaus in den Gremien der DGS

In der bisherigen Zusammensetzung von Konzil und Vorstand ist der Mittelbau nicht vertreten, obwohl die überwiegende Mehrheit der DGS-Mitglieder Soziolog*innen aus dem Mittelbau sind. Aktuell sind die Wahlen der DGS-Gremien als Personenwahl organisiert . Mit der Konzilswahl Ende 2014 wurden erstmals Mittelbauangehörige als Vertreter*innen einer Statusgruppe nominiert, die Präsentation der Kandidat*innen fand jedoch in der herkömmlichen Struktur der Personenwahl statt; die repräsentative Funktion blieb somit implizit. Demgegenüber haben andere Fachgesellschaften bereits seit Langem explizite Repräsentationsmodelle für den Mittelbau installiert, z.B. die Politikwissenschaft (DVPW), die Kommunikationswissenschaften (DGPuK) und die Psychologie (DGP).

Für eine Gremienzusammensetzung, die zwei Ziele (Repräsentation fachlicher Expertise / Reputation und Repräsentation der Mitgliedschaft) vereint,[1] schlagen wir Folgendes vor:

  • Der DGS-Vorstand – aktuell bestehend aus sechs Mitgliedern plus Vorsitz – wird umgestaltet. Die Interessen des Mittelbaus sollen im Vorstand durch zwei Personen vertreten werden (feste Quote für den Mittelbau). Ein Vorstandsmitglied soll für „Fragen des Mittelbaus und Karrierewege“ (neues, eigenständiges Ressort) zuständig sein. Zwei Teilvarianten sind denkbar:
    • Die Anzahl der Vorstandsmitglieder bleibt bestehen, oder die Anzahl der Vorstandsmitglieder wird um zwei Mitglieder aufgestockt.
  • Im Konzil soll mindestens ein Drittel der Mitglieder Mittelbau-Vertreter*innen sein (Quote).
  • In allen Sektionen sollen 1 – 2 Mittelbausprecher*innen sowie Vertreter*innen benannt werden.
  • In einer alle zwei Jahre im Rahmen der DGS-Kongresse stattfindenden Mittelbauversammlung wird ein Forum geschaffen, um die Interessen der Mitglieder aus dem Mittelbau zu identifizieren und zu diskutieren. Dort könnten sich Kandidat*innen für eine Wahl als Mittelbauvertreter*innen präsentieren.
  • Auch Studierende sollen, da sie mittlerweile einen nicht unerheblichen Teil der Mitgliedschaft darstellen, in den Gremien der DGS repräsentiert sein, beispielsweise durch mindestens beratende Stimmen in Vorstand und Konzil.

Offen und zu diskutieren ist weiterhin, ob Mittelbauvertreter*innen von der Mittelbauversammlung direkt in den Vorstand gewählt werden oder ob es eine Quote für Mittelbaukandidat*innen gibt, die über die „normale“ Wahl gewählt werden. Also: Quote vs. Entsendeprinzip? Hierzu wünschen wir uns Diskussionsbeiträge in den Kommentaren zu diesem Blogpost.

  1. Wahlprozedere für Konzil und Vorstand

Das Wahlprozedere für die Besetzung von Vorstand und Konzil soll transparenter, inklusiver und inhaltsreicher, kurz: lebendiger und demokratischer werden. Dazu schlagen wir vor:

  • Es soll zunächst in einer Vorphase der öffentliche Aufruf zur Kandidat*innenbenennung erfolgen, um allen Interessierten die Chance zur Gremienkandidatur zu geben.
  • Gegebenenfalls erfolgt mit einem Quorum oder einer weiteren Selektionsstufe eine Vorauswahl für die letztendliche Wahl, um eine Überschaubarkeit der Listen herzustellen.
  • In einer öffentlichen Vorstellung der Kandidat*innen, bspw. über die Webseite, sollen diese ihre Anliegen, Ziele und Ideen für die Amtszeit darstellen und für Rückfragen zur Verfügung stehen, so dass transparent wird, wen die DGS-Mitglieder mit welchem Programm wählen können.[2] Die Statusgruppe (Professor*in, Mittelbau und Promovierende, Studierende) sollte dabei prominent vermerkt sein.
  1. Kultur der Beteiligung und Einbringung in der DGS:

Im Zusammenhang mit den institutionellen Veränderungen braucht es Strategien zur Anregung einer Kultur der Beteiligung und Einbringung in der DGS und aus der DGS heraus. Konkret bedeutet das, dass über die Prozesse zur Wahlreform auch eine Diskussion in der DGS, insbesondere in ihren Gremien und den Sektionen, über die Förderung des Mittelbaus angeregt werden soll.

 

Vorschläge für Hashtags zum Weiterdiskutieren auf Twitter und Facebook: #SozBlog #GuteArbeit #GAidW #PrekäreWissenschaft

 

[1]

Um die Teilhabe des Mittelbaus und der Studierenden praktisch zu ermöglichen, müssen entsprechende Rahmenbedingungen für die Gremienarbeit in Vorstand und Konzil im Sinne einer adäquaten Unterstützung in Form von Reisekostenerstattung gewährleistet sein.

[2]

Als Referenz kann hier das Verfahren der European Association for the Study of Science and Technology (EASST) gelten, bei der Kandidat*innen nach einem öffentlichen Aufruf in Kurzprofilen ihre Anliegen und ihr Profil darstellen und Mitglieder über eine Pollingwebseite abstimmen (EASST 2014).

Autor:

Im Sommer 2014 haben sich Soziologinnen und Soziologen zusammengefunden, um sich für “Gute Arbeit in der Wissenschaft” zu engagieren. Es entstand ein Offener Brief an die DGS, in dem die Fachgesellschaft aufgefordert wurde, sich mit den Beschäftigungsbedingungen im eigenen Fach auseinander- und für gewisse Mindeststandards guter Arbeit einzusetzen sowie diese in ihren Ethikkodex aufzunehmen. Ein weiteres zentrales Anliegen der Initiative ist es, die Mitbestimmung des Mittelbaus in den Gremien der DGS zu stärken. Die Anliegen der Initiative werden derzeit in der DGS verhandelt, im Rahmen des nächsten DGS-Kongresses organisiert die Initiative die erste Mittelbauversammlung der DGS. Website der Initiative

9 Gedanken zu „Diskussion: Wahlverfahren zu den DGS-Gremien“

  1. Die hermetische Abschottung der ProfessorInnen von anderen Statusgruppen gehört schon lange in den Papierkorb (höflich gesprochen), egal ob in einer wissenschaftlichen Gesellschaft oder in der Universität selbst. Was hätten die Damen und Herren denn zu verlieren? Wovor haben sie Angst? Forschung und Lehre und die Organisation derselben lebt vom Diskurs, und dies unabhängig von der Statusgruppe.
    Die Notwendigkeit der Abgrenzung und damit Hiearchisierung ist ein Armutszeugnis der Moderne. Man stelle sich vor, innerhalb von Familien würde noch so agiert werden …

    1. Die Damen und Herren haben, wenn ich mal als Betroffene und Kollegin vieler Profs sprechen darf, keine Angst davor, in Gremien nicht unter sich zu sein. Manchmal zucken wir nur bei derartigen Unterstellungen zusammen. Auch stimmt es uns bisweilen nachdenklich, dass (denk ich) junge Soziologe_innen ein bisschen wenig von der Moderne und ihren, in der Tat, notwendigen „Abgrenzungen“ und „Hierarchisierungen“ zu verstehen scheinen. Aber das ist derailing, ich lass es.

      Ganz ernsthaft: Ich mache mal darauf aufmerksam, dass auch jetzt und schon lange nicht-Prof’s in alle Gremien der DGS gewählt werden können. Dass das nicht passiert ist durchaus ein strukturelles Problem. Aber wie das angegangen werden kann, darüber sollten wir konstruktiv und ohne brachiale Unterstellungen diskutieren. Die DGS-Gremien haben sich, bislang, nicht als paritätisch ausgerichtete Vertretung unterschiedlicher Interessens- und Statusgruppen verstanden. Das mag naiv sein, oder altmodisch oder Ausdruck von Hegemonialtät (oder dies in verschiedenen Kombis). Es gibt aber durchaus gute Gründe, daran auch fest zu halten. Denn zu den wenig sichtbaren und kaum repräsentierten Gruppen in den Gremien gehören womöglich noch ganz andere, neben den so genannten Mittelbauler_innen.

      1. …gerade für diese Diskussion wird nun ja hier sowie auf den Veranstaltungen auf dem DGS-Kongress der Raum geboten. Deshalb würde es mich (als „Mittelbauler“) umso mehr interessieren, welche Argumente Ihrer Meinung nach für ein Beibehalten des derzeitigen Prozederes sprechen und wo Sie die Nachteile eines repräsentativen Modells sehen. Gleichzeitig werden im oben gemachten Reformvorschlag auch die Studierenden erwähnt, welche Gruppen werden Ihrer Meinung nach weiterhin nicht berücksichtigt – und vor allem: wie könnte man dem begegnen?

        1. Richtig. Und diese Diskussion wird nicht zuletzt von genau den Gremien *mit* ermöglicht & forciert, die hier (von machen!) als hermetisch abgeriegelt kritisiert werden.

          Das Problem, u.U. ein Nachteil eines repräsentativen Systems – mit ‚Tickets‘ bzw. Quoten – liegt logischerweise in der Definition derjenigen, die repräsentiert werden sollen. Wen gilt es mit vielen zu repräsentieren? Studierende? Menschen mit Migrationshintergrund (vgl. Institutioneller Rassismus an der Hochschule: Intersektionale Perspektiven auf die »unternehmerische Hochschule« ; https://www.conftool.pro/dgs2016/index.php?page=browseSessions&form_session=9#paperID258)? Disabled (https://www.sciencedaily.com/releases/2016/03/160330135723.htm?) Queer? Oder, ganz anders, vom Fach her gedacht: Quantis wie Qualis? Theorie-Leute wie Empiriker_innen? Menschen, die an FH’s arbeiten und solche an Unis und solche, die keine Stelle haben und solche, die in der anwendungsaffinen Forschung arbeiten? Und, als noch grundsätzlichere Frage: Sollten DGS-Wahlen überhaupt einer quantitativen Logik folgen müssen i.S. von xy% sind Mitglieder, also sollten xy% ? Ich frage das nicht, um das Ansinnen stärkerer Sichtbarkeit der Themen – Prekarisierungsdynamiken in academia, strukturelle Vulnerabilität ganzer Gruppen im deutschen System usw. – zu diskreditieren, wirklich nicht. Ich finde Quote auch nicht per se absurd, das will ich nicht unterstellen. Aber mir ist bislang zu wenig die ganze Logik offen / kritisch diskutiert worden.

          Des Weiteren: Macht eine Quote inhaltlich Sinn? Anders als die (IMHO sehr sinnvolle) Erweiterung von Themen/Aufgaben und Zuständigkeiten im Vorstand usw. um „Fragen des Mittelbaus und Karrierewege“ (was wiederum eine gewisse Logik impliziert, die womöglich viel neoliberal-gouvernemantaler ist und dem academic capitalism weitaus mehr zuarbeitet als vielen so kritischen Soziolog_innen lieb sein kann, aber das nur als Fußnote), so garantiert ja niemand, dass die Repräsentation einer Gruppe auch Gremienarbeit in deren Sinne macht. Was wiederum auch die Frage aufwirft: gibt es in der DGS „den Mittelbau“ und hat dieser klare inhaltliche Positionen? Ist dieser eine Mehrheit an oder für sich? ;-)

          Wie gesagt, ganz ehrlich bin ich nicht per se gegen – und auch nicht für – ein Quotenmodell. Mich irritiert allerdings wohl die Annahme, „die DGS“ bzw. „die Profes“ wollten sich abschotten oder so. Daher auch mein Hinweis: Auch bislang können alle Mitglieder, unabhängig vom Status, in die Gremien gewählt werden.

          Bin auf weitere Diskussion, auch in Bamberg, gespannt

      2. Liebe Paula,

        es ist nicht leicht, auf deinen Kommentar zu antworten, da zu deinen Argumenten selbst schon die Einwände mitlieferst (bspw. kein formeller Ausschluss des Mittelbaus, aber eben doch struktureller). M.E. sollte man die Diskussion aber nicht als Widerstreit von sinnvoller Hierarchisierung vs. Öffnung führen.
        Es ist selbstverständlich sinnvoll, wenn wichtige und exponierte Vertreter*innen des Fachs, häufig Professor*innen mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung, dieses auch nach innen und außen vertreten.
        Aber weitere, damit nicht (personal-)deckungsgleiche Prinzipien sind ebenso zu bedenken. Dazu gehört das Repräsentationsprinzip. Meine Befürchtungen, die „jüngeren“ (z.B. die Mitte Vierzig) wären bspw. zu fachlicher Außendarstellung ungeeignet, halten sich tatsächlich in Grenzen. Auch sie sind dieses Fach, in Forschung, Lehre, Prüfungswesen usw.
        Dass es bei der Erweiterung um den Mittelbau nicht bleiben kann, ist ein wichtiger und oben schon angemerkter Punkt. Auch die Studierenden sollten da mit bedacht werden. Und vor wenigen Jahren gab es einen DGS-Vorstand mit Martina Löw als, wenn ich mich recht erinnere, einziger Frau. Das bringt auch die Frage möglicher Geschlechterquoten auf.
        Wie viele verbindliche Regelungen die DGS dafür (bzw. dagegen) braucht, hängt von ihrer Fähigkeit ab, diese Themen zu adressieren und als Problem ernst zu nehmen.

        1. Zunächst: danke für die Anerkennung als „Jüngere“, das hab ich echt lang (ähem, also sooo lang nun auch wieder nicht, äh) nicht mehr gehört . ;-) Und, so gesehen, absolut richtig: Wir jüngeren Profes sind zur Außendarstellung nicht per se ungeeignet.
          Im Ernst, danke für die interessanten Anmerkungen. Ich stimme völlig zu, dass es eine breitere und grundsätzliche Diskussion braucht. Bei der Problemdiagnose gibt es ja große Schnittmengen zwischen verschiedenen Akteur_innen: In akademischen Statusgruppen gedacht, ist die Mehrheit der Mitgliedschaft nicht in den Gremien der DGS vertreten. Und Appelle allein werden das vorerst nicht ändern. Diese Unsichtbarkeit auf der formalen Organisationsebene – aber nicht allein das – führt mit dazu, dass die Prekarisierungsdynamik für das eigene Fach nicht hinreichend als Problem und wissenschaftspolitische (nicht! tages- oder trivialpolitische) Herausforderung gesehen wird. In der soziologischen Forschung wird dazu hingegen ja schon lange sehr gute gearbeitet, publiziert und auch interveniert. In politischen Konstellationen wiederum ist die Prekarisierung des akademischen Personals ebenfalls lange schon Thema.

          Nur bin ich, aus der Einsicht in die Geschichte sozialer Bewegungen – zu denen Du ja auch arbeitest – davon überzeugt, dass ‚Betroffene‘ keinesfalls zwingend ein Problembewusstsein haben, und wenn doch, so ist es nicht zwingend konstruktiv-produktiv für die Organisation selbst. Und aus eben diesem Einsichten heraus ist m.E. klar, dass Erweiterungen im Bereich der zu Repräsentierenden zwingend mit neuen Exklusiven einher gehen. Daher meine starke Skepsis gegenüber Quoten-Modellen. Ich denke, es sollte eher um Themen gehen. Und also daher mein volles Einverständnis gegenüber der Ressort-Erweiterung etwa im Vorstand. Womöglich, so überlege ich laut und u.a. durch obige Ausführungen angeregt, wäre es interessant, Wahlmodelle bzw. Sichtbarkeitsformen zu schaffen, die klarer machen, wer mit welchen Anliegen gewählt werden kann. Diesen Teil der obigen Vorschläge (in Punkt 2) unterstütze ich persönlich durchaus.

          HG

  2. Und zur Frage, wer alles eine gesonderte, geregelte Representation haben sollte: Das Aktuelle ist natürlich auch eine strategische Forderung, um Themen zu skandalisieren/popularisieren usw., nicht die Lösung aller Probleme. Die Forderung ausgerechnet des Mittelbaus und des sog. „Nachwuchses“ kommt jetzt, weil dessen Situation derzeit vielen als Problem offenbar wird und sich eine gewisse, vorsichtige Mobilisierung, vielleicht ein Ende der Hinnahmebereitschaft abzeichnet. Das steht auf dieser politisch-strategischen Ebene keineswegs im Widerspruch zu Beteiligungs- und Anerkennungsansprüchen anderer Gruppen. Auf der DGS-Organisationsebene gibt es da sicherlich Grenzen der Praktikabilität.
    Die Forderung nach Representation ist somit EIN Vehikel unter anderen, diese Beschäftigungsmisere zu thematisieren. Die Repräsentationsforderung geht aber darin nicht auf, denn dieser Anspruch auf Repräsentation ist auch ein demokratischer Wert an sich, wenn man die Zuschreibung von Sprecher*innenpositionen nicht nur über das Honoratior*innenprinzip regeln möchte.

  3. Vielen Dank erst einmal für diese Art der Diskussion – an alle beteiligten Seiten.

    Ich bin zwiegespalten und habe bisher keine genaue Meinung, weshalb ich noch offen bin und teilweise auch einfach mal in den folgenden Zeilen vielleicht selbst ein bisschen nachdenke.

    Zum Einen finde ich, ja, Interessen „des Mittelbaus“ sollten irgendwie vertreten sein. Mein Anschlussgedanke war dann: Was ist mit der Verwaltungsebene? Wird die „repräsentiert“? Sollte sie es sein? Im „alltäglichen“ Universitätsbetrieb würde ich das bejahen (das habe ich teilweise auch so umgesetzt erlebt). Wäre auf DGS-Ebene überhaupt der Wunsch dieser Menschen vorhanden, derartig beteiligt zu sein?
    Aus Erfahrungen mit anderen hochschulpolitischen Gremien habe ich ein bisschen Bauchschmerzen mit einem Repräsentationsmodell. An vielen Unis gibt es Studierendenparlamente, in denen Hochschulgruppen politischer Parteien vertreten sind, die dann über Listen antreten. An einer anderen Uni, auf der ich Teil eines solchen Parlamentes war, waren diese HSGs nicht vertreten. Stattdessen bildeten die Fakultäten „Parteien“. Dieses System fand ich wesentlich besser als das politischer Parteien und parteipolitische Listen sind ja in der DGS auch nicht zu erwarten (oder?). Mit einem Repräsentationsmodell stehen sich aber dennoch irgendwie immer Blöcke gegenüber. Am Ende tauscht sich „der Mittelbau“ vor einer Abstimmung aus, kalkuliert Strategien gegen „die Profs“ etc.pp. Das kann ich mir jetzt schon sehr gut ausmalen. Und das finde ich schlecht. Andererseits aber befürchte ich schon auch, dass Mittelbauangelegenheiten unbeachtet bleiben können, wenn keine Mittelbaumenschen in den Gremien sitzen.
    Dennoch finde ich Paulas Gedanken momentan attraktiv, Mittelbauangelegenheiten thematisch mitzudenken. Darüber hinaus haben Quoten ja immer so Probleme, die auch auf anderen Ebenen diskutiert werden. Und was, wenn sich weniger Leute aufstellen lassen, als nach Quote Platz wäre? Starre Quoten erscheinen mir nicht gut, vor allem da wir derzeit gar keine Indizien dafür haben, wieviele Menschen sich tatsächlich in so einem Gremium engagieren würden. Vielleicht dann lieber sowas wie flexible Quoten mit Mindeszahlen, die aber recht niedrig angesetzt sind. Die Begründung für die einzelnen Mindestzahlen wird jedoch schwierig, wie auch der hier gemacht Vorschlag, zwei Mittelbaumenschen im Vorstand zu haben. Warum zwei und nicht auch 7? Oder 5 oder 14?

    Wie wäre es, wenn die Behandlung von Mittelbauthemen auf Sitzungen in der Satzung verankert würde? Vielleicht ließe sich das auch mit einer Art regelmäßiger Evaluation oder Befragung oder anderer kreativer Vorschläge verknüpfen. Die ständigen Ausschüsse sind in der Satzung nicht weiter erläutert, wenn ich das richtig sehe. Dies könnte man nachholen und dort Mittelbauthemen aufnehmen.

    Punkt 2 für mehr Transparenz finde ich im Großen und Ganzen gut – vor allem die Punkte 1 (Ermöglichung der Kandidatur für alle) und 3 (öffentliche Vorstellung). Was die Herstellung überschaubarer Listen angeht, sind konkrete Vorschläge von Nöten. Das könnte jedoch schwierig werden, wenn man nichtmal weiß, wieviele sich tatsächlich melden, wenn die Kandidatur komplett offen ist. Ich bin momentan kein Freund einer Selektionsstufe, sehe aber ein, dass die Wahl annähernd sinnlos wird, wenn sich 100 Leute zur Wahl stellen und am Ende jemand mit 5 Prozent ins Konzil kommt. Und den Mitgliedern möchte ich keine Stichwahl oder dergleichen zumuten.

    Und ich stimme zu, den Studierenden mehr Raum in der DGS zu geben. WENN wir schon über Strukturänderungen reden, die Satzung und Wahlordnung ändern und so weiter, dann bitte gleich richtig. Dann das Ganze auch für Studierende. Oder eben ein in der Sazung festgelegter dauerhafter Ausschuss für Angelegenheiten Studierende. Die müssten jedoch auch erst einmal dazu befragt werden. Die DGS-Kongresse sind offen für Studentische Adhoc-Gruppen. 2014 gab es zwei solcher Adhoc-Gruppen, 2016 erwarte ich nicht sehr viel mehr. Ich hoffe nicht, dass dies ein Indiz für potenzielles studentisches Engagement in der DGS ist. Da könnte man, abseits dieser anregenden Diskussion, auch mal hinschauen.

    Als Nachklapp möchte ich doch auch noch kurz auf den Einwurf von Clara Maren Detteling eingehen. Ich persönlich erlebe die DGS nicht so, was daran liegen mag, dass ich den einen oder die andere mittlerweile persönlich kenne. Mein Eindruck ist vielmehr, dass Clara Maren Detteling das vielleicht so am heimischen Institut erlebt? Wenn ich lese, dass Stephan Lessenich 2014 die Studierenden zur Beteiligung am DGS-Kongress aufruft (PDF: http://www.budrich-journals.de/index.php/Soz/article/view/16047/14003), wenn ich bedenke, dass die DGS sich (zugegeben: es war spät) für studentische Mitgliedschaften geöffnet hat, dann entsteht für mich nicht der Eindruck einer hermetischen Abschottung. Ich kann mir aber vorstellen, dass an einigen Instituten die Zusammenarbeit zwischen Studierenden und Dozierenden schlecht ist. Das ist unter Umständen dort auch historisch gewachsen. Es sagt jedoch noch nichts über eine allgemeine Fachkultur aus. Zum Glück. Was ich aber aus Perspektive des Soziologiemagazins sehen konnte war: Wenn man „die Profs“ mal anspricht, hat bisher (fast) nie jemand abgelehnt. Egal worum es ging.

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