Diskussion innerhalb der DGS-Mitgliedschaft über die Quotierung der „Mittelbaupräsenz“ in den Gremien der DGS

Diskussionsvorlage der Kommission „Mittelbaupräsenz“ der DGS

Mitglieder der Kommission: Birgit Blättel-Mink, Heike Delitz, Stephan Lessenich, Martina Löw, Peter Ullrich

Das Konzil der DGS hat den Vorstand beauftragt, eine Kommission einzurichten, deren Aufgabe es ist, ergebnisoffen zu prüfen, ob und wieweit die Präsenz des Mittelbaus und anderer Interessengruppen in den Gremien der DGS erhöht werden kann. Die Kommission hat dazu eine Vorlage erarbeitet, welche eine Änderung der DGS-Satzung impliziert und nun in der Mitgliedschaft diskutiert werden soll.

GLIEDERUNG DER DGS-MITGLIEDSCHAFT IN STATUSGRUPPEN

  • Hochschullehrer:innen und sonstige Promotionsberechtigte
  • Mittelbau (Mitarbeitende, Lehrbeauftragte, LfBA, Personen ohne feste Stelle, etc.)
  • Studierende

VORSCHLÄGE ZUR QUOTIERUNG DER GREMIENPLÄTZE BEI DEN DGS-WAHLEN (KONZIL, VORSTAND)

Konzil (30 Plätze insgesamt)      

  • max. 24 Hochschullehrer:innen
  • mind. 4 Mittelbauler:innen
  • max. 2 Studierende

Pro Wahl der Hälfte des Konzils (N=15) würden also bis zu 12 Plätze für Hochschullehrende, mindestens 2 Plätze für Mittelbauer:innen und bis zu 1 Platz für Studierende vorgehalten werden. Sollten aus einer Statusgruppe nicht ausreichend Kandidierende vorhanden sein, werden die Plätze mit Kandidierenden aus der nächsthöheren Statusgruppe aufgefüllt.

Eine Satzungsänderung ist hierfür nötig, um die Quotierungen festzulegen und um das passive Wahlrecht für Studierende einzuführen.

 Vorstand inkl. Vorsitz (Erweiterung von 7 auf 9 Plätze)

  • max. 7 Hochschullehrer:innen
  • mind. 2 Mittelbauler:innen
  • zusätzlich Einrichtung eines studentischen Beirats ohne Stimmrecht (4 Mitglieder, 2 Stellvertretende, nehmen 1-2 Mal jährlich an Vorstandssitzungen teil oder treffen sich anlassbezogen mit Vorstandsvertreter:innen); wahlberechtigt für den Beirat sind alle studentischen Mitglieder

Eine Satzungsänderung ist hierfür nötig, um die Quotierung festzulegen und um die Zahl der Mitglieder des Vorstands zu erweitern.

Vorsitz

Beim Vorsitz soll das passive Wahlrecht für Studierende weiterhin ausgeschlossen bleiben. Die Kandidatur für Mittelbauler:innen ist bereits jetzt möglich, und es wird kein weiterer Regulierungsbedarf gesehen.

Eine Satzungsänderung ist an dieser Stelle nicht nötig.

13 Gedanken zu „Diskussion innerhalb der DGS-Mitgliedschaft über die Quotierung der „Mittelbaupräsenz“ in den Gremien der DGS“

  1. Als ich Ende der 1970er Jahre im Auftrag von Prof. M. Rainer Lepsius den gesamten damaligen Aktenbestand der DGS durcharbeitete, der anschließend ins Bundesarchiv abgegeben wurde, lernte ich viel aus diesen Akten über berühmte und weniger bekannte Soziologen und die Zeitumstände ihres Wirkens. Dabei fiel mir auch auf, wie intensiv mitunter über die Aufnahme neuer Mitglieder in die DGS diskutiert wurde und wie kritisch fallweise die Gütekriterien hierbei waren. Als ich selbst als Mitglied der DGS aufgenommen wurde, war immerhin noch die erfolgreiche Promotion (und zwei Mitgliederempfehlungen, glaube ich), die Aufnahmevoraussetzung. Ich will damit nur an relevante Fakten erinnern, jeder mag selbst urteilen, wie er diese Dinge sieht und einordnet.
    Prof. Dr. Anton Sterbling (Fürth)

    1. Was genauer ist für Sie die Relevanz dieser Fakten für die diskutierte Frage? Hier geht es ja um die Repräsentation der Mitgliedschaft und nicht darum, wer wie Mitglied werden kann. Was folgt aus früheren Regelungen der Mitgliedschaft warum für die aktuelle Frage?

  2. Ich würde gerne nachvollziehen können, warum der Vorstand erweitert werden soll, damit der Mittelbau systematisch berücksichtigt werden kann. Die Hintergründe dieses Vorschlags wären hilfreich.
    Stay sane and safe everybody, Christiane Schnell

    1. Die Kolleg*innen der Kommission mögen mich ergänzen, aber eine wesentliche Überlegung war, dass der Arbeitsanfall im Vorstand über die Jahre spürbar zugenommen hat und es sinnvoll ist, die Aufgaben des Vorstands auf mehr Schultern zu verteilen. Zugleich ist zu berücksichtigen, dass „Mittelbauler*innen“ intensiv ins akademische Karriereregime involviert und dabei nicht selten (oder gar zumeist) prekär beschäftigt sind – die ehrenamtliche Tätigkeit in einem nicht erweiterten Vorstand sollte ihnen nicht auf die Füße fallen. Die personelle Erweiterung des Vorstands schien uns daher im Allgemeinen wie Besonderen funktional zu sein.
      Herzliche Grüße nach Frankfurt ;-)

  3. Die neue Satzung will wohl qua Quote die Mitsprache von Studis und Mittelbauis verbessern. Gleichzeitig will sie mit der Deckelung den DGS davor bewahren, dass lehrstuhllose Soziologieinteressierte die Wahlen für sich entscheiden und den Konzil dominieren. Macht diese eigenartige Doppelbegrenzung den Kern des DGS besser? Verbessert sie den DGS-Kongress und die DGS-Publikationen. Auf den ersten Blich scheinen mir zwei Extremvarianten in der Organisation der Kongresse wesentlich aussichtsreicher, die sich eher gegen die Intention der vorgeschlagenen Satzungsänderung stellen.

    Was spricht dagegen für einmal die Wahl des Kongressthemas und Ablaufs des nicht diejenigen entscheiden zu lassen, die formal, qua ihres akademischen Titels als dazu fähig eingeschätzt wurden, sondern alle zahlenden DGS-Mitglieder. Für einmal könnten Ideen für den Kongress von beliebigen durch ein Preisgeld angelockten Teams eingegeben und den Mitgliedern die letztliche Wahl des Zuschlags überlassen werden. Vielleicht gewinnt der Vorschlag der WürdernträgerInnen im Konzil. Vielleicht aber auch derjenige eines ambitionierten StudentInnenteams. DGS-Kongress einmal ohne breitem Thema, mit dem alle Konzilmitglieder irgendwie können. DGS-Kongress einmal anders, dank offenem Wettbewerb um die Zustimmung der zahlenden Mitglieder.

    Auch der anderen Extremlösung kann man einiges abgewinnen. Alle Mitglieder, die (noch) nicht zu akademischen Würden gekommen sind, könnten nicht nur aus dem Konzil, sondern überhaupt vom Kongressbesuch ausgeschlossen werden. Anstatt ein sehr allgemeines Thema mit unzähligen in der Regel mittelmässig passenden Vorträgen breitzutreten, könnten die Versammelten TitelträgerInnen zum Beispiel wichtige Weichen in der Nomenklatur der Soziologie stellen. Ein Periodensystem sozialer Beziehungen wird es aufgrund deren begrenzten Halbwertszeit wohl nicht werden können. Aber schon etwas mehr Ordnung von mittlerer Reichweite wäre nicht nur für LehrstuhlinnhaberInnen, sondern gerade auch für die ausserhalb der Akademie tätige Mehrheit ausgebildeter SoziologInnen sehr hilfreich, vielleicht hilfreicher als der Kongress in seiner jetzigen Form.

    Auf den ersten Blick scheinen mir beide Extremvarianten wesentlich bereichender als den Konzil durch Quotenmittelbauis und Studis etwas diverser wirken zu lassen. Die Qualität des DGS-Kongresses und der DGS-Publikationen wird sich durch die Doppelquote nämlich mit grosser Sicherheit kaum verändern.

    1. Wir haben in der Diskussion nicht an spezifische Aufgaben (wie Kongresse usw.) gedacht, sondern schlicht auf den Anspruch reagiert, dass der Mittelbau (der einen Großteil der Mitgliedschaft stellt, an den Unis einen Großteil von Forschung und Lehre leistet usw.), eine Präsenz in den entscheidungsberechtigten Organen haben möchte (und das Konzil ist unser Höchstes). Denn dort wird über Fragen von Forschung, Lehre, Berufspolitik usw. gesprochen und es ist wichtig die unterschiedlichen Perpektiven aller zu hören. Da die Wahrscheinlichkeit, gewählt zu werden, jedoch für meist weniger bekannte Personen ohne Professur geringer ist (noch dazu, wo wahrscheinlich die meisten diese Wahlentscheidung recht schnell nach theoriepolitischer oder Personenaffinität treffen) braucht es eine Quote [die rein formale Berechtigung reicht nicht aus], um ein Minimum dieser Vielfalt abzudecken. So ist eine gewisse Vielfalt gesichert und gleichzeitig auch, dass sehr erfahrene Vertreter*innen des Fachs diese Erfahrung ausreichend einbringen können. Es gibt übrigens keine Deckelung (außer für Studis), aber beim Mitttelbau ist es eine MINDESTQUOTE.
      Aber der Reformprozess muss hier nicht aufhören. Auch andere Bereiche können reformiert werden (z.B. Entscheidung über das Kongressthema). Auch die Einbeziehung von Studierenden wird sich ändern können, wenn die Studierenden sich selbst „gefunden“ haben und eigene Ansprüche stellen (oder auch nicht). In der ÖGS, wo diese offensichtlich besser organisiert sind, sind Studierenden ohnehin immer im Vorstand vertreten. Entsprechend ist auch in der DGS ein Kulturwandel denkbar, der weiter vom Honorationemodell wegführt und grundsätzlich mehr Mittelbauler*innen in die Gremien bringt, über die Quoten hinaus.

  4. Vielen Dank für diesen Vorschlag und den Anstoß zur notwendigen (weiteren) Diskussion! Meiner Wahrnehmung nach war einer der Gründe für diese Überlegungen – mehr oder überhaupt nicht-professorale Mitglieder in Gremien der DGS – auch ein inhaltlicher: Wir haben als Verband, so jedenfalls eine Diagnose, schlicht zu wenig die faktische soziologische Lehr- und Forschungspraxis ‚als Beruf‘ im Besonderen, die akademischen Karriere- und Tätigkeitswege im Allgemeinen im verbandspolitischen Blick. Es steht die kritische Frage im Raum, ob und wie sich die DGS verhält und umgeht mit der Tatsache, dass über 80% der an Hochschulen und Forschungsinstituten Beschäftigten (extrem) prekär beschäftigt sind.
    Es gibt dazu sehr viel & sehr nuancierte Forschung aus dem Fach dazu. Womöglich nutzen wir diese Expertise zu wenig, um uns in der Hinsicht forschungs- und wissenschaftspolitisch zu engagieren?
    Es geht also auch um inhaltliche, genuin soziologische Fragen und Themen. Und da stellt sich die eh maximal aktuelle Frage nach dem ‚Wer‘. Müssen ‚Betroffene‘ und der professionellen ‚Identität“ (**eyeroll**) nach ‚jene‘ / ‚solche‘ diese Fragen selber vertreten? Nur diese? Oder ist das, im Gegenteil, egal, solange das Thema präsent ist? Oder stimmt, wie ich meine, beides: Wir müssen MIT und von denen aus sprechen, die davon betroffen sind – und eh die Mehrheit der Mitgliedschaft ausmachen – aber wir sollten auch nicht so tun, als seien nur diese fach- und sachkundig, und als seien alle privilegierten Profesores unwillig / unfähig, diese Thematik nach innen und außen zu pushen.
    In diesem Sinne: danke für den Debattenimpuls!
    Paula Villa Braslavsky

  5. Als Person, die dem Mittelbau angehört, aber auch allgemein als Soziologin, der unser „Berufsstand“ am Herzen liegt, muss ich sagen: Danke an die Kommission, die diesen Vorschlag erarbeitet hat! Die damit verbundenen (verbesserten) Möglichkeiten der Mitbestimmung und Sichtbarkeit nicht keine Lappalie und tragen sicher auch noch einmal dazu bei, sich als „Mittelbauler:in“ der DGS zugehörig und in ihr gehört zu fühlen. Die meiste Arbeit in der soziologischen community machen wir ja ohnehin (schon aufgrund der schieren Größe) ;)
    Also danke, dann sind Schritte in die richtige Richtung!

  6. Als ein langjähriger Angehöriger des Mittelbaus, der inzwischen glücklicherweise außerhalb der Universität eine Anstellung gefunden hat, nach wie vor DGS-Mitglied ist, wissenschaftlich als Soziologe tätig ist und über Publikationen, Uni-Lehre als Privatdozent und Tagungen am akademischen Betrieb teilnimmt, halte ich die vorgeschlagenen Änderungen in der Zusammensetzung von Vorstand und Konzil für äußerst sinnvoll und längst überfällig. Es stellt sich eher die Frage, ob die Änderungen weit genug gehen, da die DGS auf den akademischen Betrieb der Universitäten fokussiert bleibt. Durch eine Quotierung wird sich das Problem nicht lösen lassen, dass die Statusposition „Mittelbau“ instabil und prekär bleibt, da der Mittelbau überwiegend in der Weise gesehen wird, dass er das Ziel verfolge, dermaleinst in die Statusposition vorzurücken, die die Mehrheit in den Gremien bekleidet, die Professur. Es ist nicht damit zu rechnen, dass Personen des Mittelbaus in den Gremien der DGS die Interessen ihrer Statuspositionen genuin frei werden vertreten können, da sie ja in der Regel weiterhin befristet beschäftigt bleiben und daher außerhalb der DGS vom Wohlwollen derjenigen Statusposition abhängig sind, in die sie selbst vorzudringen sich erhoffen. Das Strukturproblem des Mittelbaus als einer Instanz, die ein Großteil der Forschung leistet, ohne ihre Leistungen angemessen gewürdigt zu wissen, wird die DGS durch die vorgeschlagenen Maßnahmen ferner kaum beeinflussen können, da sich das Befristungsregime innerhalb der Universitäten, der Bildungspolitik und den Institutionen der Forschungsförderungen unabhängig vom Fach äußerst stabil etabliert hat. Ein Problem der DGS besteht darin, dass sie sich zu wenig um Berufsperspektiven für Soziologen und Soziologinnen außerhalb des akademischen Betriebes kümmert. Es wäre m.E. sinnvoll auch Vertreter und Vertreterinnen der außer-universitären Soziologie gezielter einzubinden. Dazu müsste jedoch ermittelt werden, wo überall ehemalige Mittelbaubeschäftigte außerhalb der Universität „gelandet“ sind. Diese Personen sollten als Statusgruppe bei Aktivitäten der DGS gezielter gefördert und angesprochen werden. Eine Einbindung in Vorstands- und Konzilsaktivitäten wäre dann vermutlich ebenfalls zu prüfen.

    1. Lieber Oliver Schmidtke, vielen Dank für diesen wichtigen Beitrag. In der Tat werden die genannten Probleme – das Befristungsregime, die Stellenstruktur, das Karrieresystem, die damit zusammenhängenden persönlichen Abhängigkeitsverhältnisse – durch den Vorschlag nicht berührt. Aber womöglich könnten diese Themen doch noch einmal einen größeren Stellenwert in der und für die DGS bekommen, wenn mehr Mittelbauler*innen in deren Gremien vertreten sind (auch wenn Paula Villas „Identitätspolitik“-bezogenes Augenrollen sicher nicht unbegründet ist; aber machen wir uns auch nichts vor: interessenpolitisch ist sich halt doch in der Regel Jede*r selbst der*die Nächste, da sind Professor*innen wohl eher keine Ausnahme). Und was eigentlich „immer schon“ auf der Agenda steht oder stünde, ist/wäre eine engere Kooperation der DGS mit dem Berufsverband BDS. Denn in der Tat: So wie die Dinge stehen, ist eine Dauerstelle im akademisch-universitären System für viele Soziolog*innen keine realistische Aussicht.

  7. Liebe Kolleg*innen, vielen Dank für die anregende Diskussion. Leider können wir nicht alle Probleme auf einen Streich lösen. Mit der angedachten Satzungsänderung soll vor allem der Tatsache Rechnung getragen werden, dass die DGS schon lange keine Veranstaltung von Professoren und Professorinnen mehr ist, dass sie vielfältiger und vielsprachiger geworden ist. Mit der Idee, für den Mittelbau verstärkt Positionen in Konzil und Vorstand der DGS zu schaffen und auch die Studierenden stärker an der Politik unserer Fachgesellschaft zu beteiligen, sollen die Positionen aller Statusgruppen Gehör finden. Damit lösen wir das Problem der zunehmenden Prekarisierung des wissenschaftlichen Mittelbaus nicht, aber wir können auch nicht mehr darüber hinweg gehen. Der DGS Ausschuss „Soziologie als Beruf“ ist auf Dauer gestellt und wird nicht zuletzt umsetzen, was in den dann erweiterten Gremien beschlossen werden wird. Was die Kooperation zwischen BDS und DGS betrifft, so sind die Vorstände seit Jahren im Gespräch, und teilen wir auch im Vorstand die Wahrnehmung des BDS, dass die Berufsfelder von Soziolog*innen nicht allein auf die Academia beschränkt sind und dass es Sinn macht, außeruniversitäre Berufsfelder verstärkt in den Blick zu nehmen. Für manche Mitglieder mag die geplante „Reform“ nicht weit genug gehen, für andere mag sie hingegen revolutionäre Züge haben. Die DGS ist mit diesem Vorhaben, das ist meine feste Überzeugung, auf einem richtigen Weg – nicht zuletzt dank der Beharrlichkeit einiger unserer Mitglieder, Mittelbauler*innen wie Hochschullehrer*innen. Nun freuen wir uns auf weitere anregende Diskussionen an diesem Ort.
    Ihre Birgit Blättel-Mink

  8. Liebe Kolleg*innen,
    ich freue mich sehr darüber, dass seit den letzten Wahlperioden mehr Mittelbauangehörige in den Gremien der DGS vertreten sind und dass die DGS durch die bereits erfolgte Änderung ihrer Wahlordnung die Nominierungsverfahren auf breitere Füße gestellt hat, so dass eine Vielfalt unter den Kandidierenden und somit unter den Gremienmitgliedern systematisch gefördert wird. Gegenüber einer festen Quote möchte ich jedoch einige skeptische Gedanken zum Ausdruck bringen.
    Mit einer Quote markiert man eine Priorität einer Differenzierung, und man könnte meinen, mit der Zugehörigkeit zu einer Statusgruppe gingen dann auch systematisch Interessen einher, die konträr zu denen anderer Statusgruppen stünden. Es wäre beispielsweise erst einmal zu klären, inwiefern systematisch ein anderes Kongressthema gewählt würde, wenn ‚der‘ (in sich heterogene) Mittelbau darüber befinden würde. Und wechseln gerade Neuberufene dabei die Seiten? Auch bislang ist, um bei dem Beispiel zu bleiben, das Kongressthema keine einsame Entscheidung des Vorstands mit Zugeständnissen an das lokale Organisationsteam, sondern die Sektionen als wichtige Differenzierungslinie in der DGS – in denen auch viele Mittelbauangehörige engagiert sind – sprechen hier richtigerweise mit. Man kann nun bei jedem Beispiel entgegnen, es sei ein schlechtes Beispiel, aber ich denke, es gibt viele wichtige Themen in der Fachgesellschaft, in der die Statusgruppenzugehörigkeit nicht zwingend Differenzen begründet. Das Thema der prekären Beschäftigung im Mittelbau bleibt wichtig, es ist gut, dass die DGS einen dauerhaften Ausschuss ‚Soziologie als Beruf‘ eingerichtet hat, in der sich Vertreter*innen verschiedener Statusgruppen an einem Strang ziehend unter anderem für bessere Beschäftigungsbedingungen einsetzen.
    Markiert man eine Differenzlinie als prioritär, heißt dies gleichzeitig, dass andere dann nicht mehr die gleiche Beachtung finden können, seien es Merkmale wie Gender, Beschäftigung an Unis, FHs oder anderen Einrichtungen oder inhaltliche Zugehörigkeiten wie ‚quanti‘, ‚quali‘ oder v.a. theorieorientiert – wobei man über wichtige Merkmale und die Anzahl ihrer zugeschriebenen ‚Schubladen‘ dann endlos diskutieren könnte. Das heißt nicht, dass man die Diskussion gar nicht erst beginnen sollte, sondern dass man zunächst einmal gemeinsam aufspürt, welche Themen, Interessen oder Vorschläge möglicherweise unangemessen vernachlässigt sind. Ich möchte mich für eine Kultur der Augenhöhe in der DGS aussprechen, in der vielfältige Stimmen Gehör finden. Gremien sollten Anregungen und Vorstöße der Mitglieder systematisch ernst nehmen, egal aus welcher ‚Gruppierung‘ sie kommen. An temporären Institutionalisierungen wie Ausschüssen oder Initiativen sollten in transparenter Weise diejenigen beteiligt sein, um die es geht. Meinem Eindruck nach gibt es dafür in der DGS auch sehr gute Beispiele. So sind etwa in der aktuellen Diskussion um Veränderungen des Lehramtsstudium Sowi zu Lasten der Soziologie in NRW zu Recht Vertreter*innen der Fachschaften beteiligt.
    Ich finde die Diskussion in der DGS über eine mögliche Satzungsänderung gut, denn ich denke, dass man solche Festlegungen nicht als statisch ansehen kann, sondern sie bei Bedarf immer wieder auf den Prüfstand stellen muss. Und wenn man dann bei genauem Hinsehen und -hören Genaueres darüber erfährt, welche und wessen Stimmen unterzugehen drohen, muss man etwas tun. Eine Quote für ‚den‘ Mittelbau scheint mir dafür aber erst einmal nicht die Lösung zu sein.

  9. Ich bin für diese Satzungsänderungen, weil sie eine Mindestrepräsentanz an Vertretung aus dem Mittelbau garantieren. Der Anteil kann sich ja per Wahl durchaus erhöhen, das ist in Hochschulgremien im Gegensatz dazu üblicherweise anderes geregelt, um der höchsten Statusgruppe bei Eintscheidungen immer die Mehrheit zu garantieren. In diesem Sinne finde ich, wenn ich alles richtig verstanden habe, den Vorschlag geradezu fortschrittlich.

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